Originalhörspiel, Kurzhörspiel, Ars acustica

Autor/Autorin: Giorgio Battistelli

Vox Populi - Vox Dei

Komposition: Giorgio Battistelli
Redaktion: Hans Burkhard Schlichting
Technische Realisierung: Udo Schuster, Christiane Köhler

Regie: Giorgio Battistelli

  • Weitere Mitwirkende

    Musik: Marianne Lochert

In der Sowjetunion steckten Glasnost und Perestroika noch in den Anfängen, als sich vor genau fünfzehn Jahren die Nachrichten von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl verbreiteten, die bald über alle Grenzen hinweg ihre messbaren Auswirkungen hatte und an deren Spätfolgen in Osteuropa noch heute Menschen sterben. Was im Frühjahr 1986 einen unsichtbaren und desto bedrohlicheren Schatten auf alles Lebendige warf, bildet den Hintergrund eines Hörstücks, mit dem der junge italienische Komponist Giorgio Battistelli 1987 auf die Einladung des Südwestfunks reagierte, ein Projekt seiner Wahl zu realisieren. Von der Jury des Karl-Sczuka-Preises war ihm damals ein Produktionsstipendium zuerkannt worden. 1953 in Albano geboren, hatte er nach einem Musikstudium mit verschiedenen experimentellen Gruppen in Rom gearbeitet und war auf zahlreichen Festivals aufgetreten, als er 1985/86 durch das Künstlerprogramm des DAAD nach Berlin kam. Als 1988 das Resultat des Produktionsstipendiums vorlag, das am 26.4.2001 erstmals zur Sendung kam, schrieb er dazu: "Dieses Werk versteht sich als ein Märchen in seiner reinsten Form , erzählt von uralten Stimmen, die von einem lange Zeit verstummten Land herkommen. Das Drama von Tschernobyl durchbricht dieses Schweigen; es wird von einer Frauenstimme wie ein Märchen erzählt. Der Text ist dem Bericht einer Lehrerin aus Tschernobyl entnommen, die beschreibt, was sie am Abend des 25. April 1986 (am Tag der Explosion des Atomkraftwerks) erlebt hat. Die metaphysische Präsenz des Ereignisses lässt die Klänge russisch-orthodoxer und katholischer Gesänge, die Stimmen eines bulgarischen Frauenchors und islamische Gebete aufsteigen. Die vier Klangkulturen verflechten sich und bilden ein Ganzes, eine einzige betende, mythische Stimme. Die Hoffnung auf Frieden verdichtet sich im Zusammenklingen der Stimmen und Kulturen, das schließlich überlagert wird von den hellen Klängen des Südens im Ruf des fliegenden Händlers, wie er noch heute in der Umgebung von Neapel zu hören ist. Die Stimme des Straßenhändlers sucht die Kommunikation, es gelingt ihr, jedes Hindernis zu überwinden, sei es nun politischer, kultureller oder sprachlicher Natur. 'Vox Populi - Vox Dei' ist ein Funkmärchen, das zu intensivem Zuhören herausfordert, zum Hineinhorchen in die Utopie."

Weitere Informationen
Giorgio Battistelli, geboren 1953 in Albano, ist seit einem Kompositionsstudium in L'Aquila als Komponist auf zahlreichen Festivals und im Musiktheater vertreten.

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel

Produktions- und Sendedaten

  • Südwestfunk 1988
  • Erstsendung: 26.04.2001 | SWR2 | 21:00 Uhr | 19'02

Rezensionen (Auswahl)

  • Frank Olbert: In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 26.04.2001. S. 59.

Haben Sie Anregungen oder Ergänzungen zu diesem Eintrag?

Infos zum Hörangebot/FAQ