Ars acustica
Autor/Autorin:
Charles Amirkhanian
Pianola
Pas de mains
Komposition: Charles Amirkhanian
Redaktion: Markus Heuger
Technische Realisierung: Charles Amirkhanian, John Whiting
Regie: Charles Amirkhanian
Weitere Mitwirkende
Sonstige Mitwirkende Funktion Denis Hall production assistant Musik: Rex Lawson (Selbstspielklavier)
"Pianola" wurde zwischen 1997 und 2000 anläßlich des einhundertsten Jahrestages der Erfindung des "Player Pianos" sowie des hundertjährigen Geburtstags von George Antheil komponiert. Charles Amirkhanian begeht diesen denkwürdigen hundertjährigen Geburtstag der Erfindung des Player Pianos mit einer neuen Komposition, die auf Ausschnitten der Musik klassischer und populärer Komponisten, gespielt auf historischen Pianola-Rollen, beruht. Dieses Instrument, das es ermöglichte, komplizierte Partituren ohne Inanspruchnahme eines Pianisten zu spielen, wurde häufig nicht alleine dazu verwendet, Musik klassischer Komponisten aufzuführen, sondern ebenso dazu, Musik zu komponieren, die anders nicht spielbar gewesen wäre. Mittels digitaler Technologie nahm Amirkhanian 1997 in London zahlreiche Kompositionen für Player Pianos auf. Er fragte die beiden Gründer des "Pianola Instituts", Rex Lawson und Denis Hall um Rat, deren Sammlung von zusammen mehr als 10.000 Pianola-Rollen zur Grundlage dieses Stücks wurde. Lawson spielte Teile der Player-Piano-Musik auf einem Bösendorfer Imperial-Flügel im Saal des Dulwich College in London, dabei verwendete er einen "Vorsetzer", der (mittels einer mechanischen Anschlagssteuerung) jedes beliebige Klavier spielen kann. Lawson spielte die Rollen in einigen Passagen auf verschiedene Weise, so etwa durch Verändern der Abspielgeschwindigkeit, durch rückwärts Spielen oder durch das umgekehrte Einsetzen der Rollen. Außerdem wählte Amirkhanian einige Samples der Player-Piano-Kompositionen aus und improvisierte über sie auf seinem Keyboard-Synthesizer. Schließlich wurden mehrere Improvisationen aufgenommen und abgemischt - um den ursprünglichen Klang zu verändern, wurden sie zum Teil digital verarbeitet. Hinzu kommen in dem Stück Klänge der Stadt Bellagio am Comer See, wo Charles Amirkhanian im neuen Zentrum für elektronische Musik der Rockefeller Stiftung "Bellagio Study & Conference Center" seine Kompositionen fertigstellte. Die Hörer werden die Glocken der Kirche San Giacomo hören und auch die Studenten des Bellagio-Zentrums, wie sie im Speiseraum der Villa Serboni ihre Suppe essen. Hinzu kommt schließlich Musik Amirkhanians, die nicht vom Pianola gespielt wird, sie erweitert die Dim ension dieses Werkes, indem sie darauf verweist, dass das Pianola ein Vorläufer des heutigen Synthesizers ist.
Weitere Informationen
Charles Amirkhanian, geboren 1945, Komponist vor allem elektronisch-akustische Werke, gilt als einer der engagiertesten Förderer der Neuen Musik und Soundart in den USA. Er war langjähriger Musikchef der kalifornischen Radio Station KPFA in Berkeley, Direktor der Djerassi Foundation in Kalifornien und Organisator des Telluride Festivals "Composer to Composer". Bei seinen Arbeiten mit Tonband und heterogenem Sprachmaterial nutzt er das Medium Radio zu einer kompositorischen Verschmelzung von experimenteller Literatur und Musik. In seinen mehrsprachigen rhythmischen Kompositionen setzt er häufig das Synclavier zur digitalen Verarbeitung von Alltagsgeräuschen ein. Für das Studio Akustische Kunst realisierte er u.a. "Metropolis San Francisco", "Walking Tune", und "Im Frühling".

Produktions- und Sendedaten
- Westdeutscher Rundfunk / Bellagio ElektroAcoustic Music Studio (BEAMS) Bellagio Pianola Institute 2000 (Auftragsproduktion)
- Erstsendung: 31.03.2001 | 3 | 23:05 Uhr | 39'55