Kurzhörspiel
Autor/Autorin:
Gerhard Kelling
Die Zurechnungsfähigkeit des Mörders Johann Christian Woyzeck
Regie: Heinz Wilhelm Schwarz
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Heinz Wilhelm Schwarz Sprecher Erwin Scherschel Woyzeck Hans Christian Blech Professor
"Nachdem Büchner 1836 in 'Leonce und Lena' die traurigste Utopie von der bürgerlichen Zukunft entworfen hat, wendet er sich einer Klasse zu, die es ihrem eigenen Selbstverständnis nach gar nicht gibt, dem Proletariat. Damit tat er das äußerste, was bürgerlichem Humanismus damals möglich war: er überwand die engen (geistigen) Grenzen seiner eigenen Klasse. Das war revolutionär. Seine Klassengenossen, viel zu sehr mit sich und der Wehleidigkeit über die eigene Lage beschäftigt, vergaßen ihn einfach. Inzwischen sind einige Revolutionen gescheitert, andere haben gesiegt, und das Bürgertum hat die Macht. Mitleid mit der Kreatur ist nicht mehr revolutionär, es ist als 'humane' Haltung gerade konservativ genug. Also erinnert man sich wieder 'seines genialen Büchner', feiert ihn und also sich selbst. Dabei bleibt dann der "Entrechtete" wieder 'Woyzeck' geschieht, macht in dem Stück 'Die Zurechnungsfähigkeit . . .' der Herr Professor mit dem Delinquenten. Ganz dasselbe. In breiter Selbstgerechtigkeit wendet sich der Vertreter der herrschenden Klasse seinem Opfer zu, welches dabei draufgeht. Hört man genau hin, erweist sich allerdings der Proletarier als lebensfähiger. Das ist die Hoffnung." (Gerhard Kelling)
Von Gerhard Kelling, Jahrgang 1942, brachte der WDR das Hörspiel "Gernot T.", die "Auseinandersetzung" und, 1974, das Lehrstück "Die Massen von Hsun- hi". (Pressetext)

Produktions- und Sendedaten
- Westdeutscher Rundfunk 1974
- Erstsendung: 04.03.1975 | WDR 2 | 26'55