Ars acustica

Reihentitel: The Artist's Corner

Autor/Autorin: Thomas Gerwin

Die Quelle im geschlossenen Tal

Komposition: Thomas Gerwin
Dramaturgie: Manfred Hess

Realisation: Thomas Gerwin

"Eine Versuchsanordnung: Wie erarbeite ich aus meiner Komposition zu dem experimentellen Dokumentarfilm 'Fontaine de Vaucluse' von Wolfgang Lehmann und Florian Krautkrämer einen eigenständigen, autonomen Hörfilm? Das Ton-Material stammt von zwei mehrtägigen Vor-Ort-Aufnahmeterminen in dem kleinen Ort 'Fontaine de Vaucluse' in der Provence, mit einer Wasserquelle, deren ungeheure Tiefe bis heute nicht genau bestimmt werden kann. Ein kleines Tal führt in den Berg hinein und endet vor steilen Felswänden. Genau an dieser Stelle befindet sich eine tiefe Grotte, in der das glasklare Wasser im Sommer bewegungslos steht. Im Frühjahr und Herbst aber strömt und sprudelt es mit ungeheurer Intensität aus der Höhle und aus jeder Bodenöffnung im Bereich des ganzen Tales. Der Name dieses eigenartigen Ortes geht auf das lateinische 'Vallis clausa' zurück, tagsüber ist er angefüllt mit Tausenden von Touristen, nachts aber fast menschenleer. Die digital aufgenommenen Original-Klänge wurden in kleinste Bestandteile zerlegt und dann wieder zusammengesetzt. Auf diese Weise entstand eine vollkommen konstruierte, artifiziell neu komponierte Klanglandschaft aus O-Tönen. Dies gilt auch für die sehr ruhigen und fast naturalistisch anmutenden Partien. Da die Musik auf der Tonspur eines 16 mm-Filmes abgespielt werden würde, habe ich die Klänge zwar stereophon aufgenommen, jedoch mono abgemischt und bearbeitet. Eine räumliche Struktur konnte nur aus der musikalischen Textur, den verschiedenen rhythmischen Ebenen und ihrer klanglichen Qualität der Nähe oder Entfernung entstehen, nicht aus einer Stereophonie. Interessant an der Erarbeitung eines autononemen Hörstückes war für mich der Prozess, dass die vorzunehmenden Änderungen in der Regel sehr sanft ausfielen und dennoch essentiell waren für die Entwicklung des Gesamtstückes: die Entfernung oder Anfügung von Partikeln, ihre leichte Verkürzung oder Verlängerung sowie die Weiterführung von Rhythmen, verschiedene Filterungen von Flächen und zeitversetzte Einfügung wie Überlappung etc. All dies, um einen steten, natürlichen Fluss der Geschehnisse zu erzielen." (Thomas Gerwin)

Weitere Informationen
Thomas Gerwin, geboren 1955, ist Komponist und Musikwissenschaftler.

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel

Produktions- und Sendedaten

  • Hessischer Rundfunk 2003
  • Erstsendung: 09.05.2003 | hr2 | 54'00

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