Originalhörspiel
Autor/Autorin:
Jürgen Runau
Die Interessenvertretung der Stiere
Komposition: Enno Dugend
Regie: Friedhelm Ortmann
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Jürgen Thormann Horst Bollmann Christian Rode Friedrich W. Bauschulte Klaus Miedel Joachim Pukaß
Die Branche, in der Kampfstiere arbeiten, vergibt keine
Präsidentenposten.
Die Aufstiegschancen sind begrenzt durch die "barrera", die Wand der
Arena. Dennoch: Die erste Runde des Kampfes macht alle Stiere
glücklich. Am Ende dieser Runde haben sie die Arena von Mensch und
Tier gesäubert. Sie sind unverletzt. Sie haben Eindruck gemacht. Sie
galoppieren erhobenen Hauptes durch den Sand. Die Zukunft gehört
ihnen.
Woher wollen sie wissen, dass dies nur zum dramaturgischen Konzept
gehört?
Die erste Runde dient der Motivation. Ein Stier, der ein
Erfolgserlebnis hatte, greift alles an, was sich bewegt. Denn: Nur ein
tapferer Stier, der angreift, lässt sich bekämpfen und schließlich
töten.
Auf den Weiden wird dergleichen nicht gelehrt.
In der zweiten Runde folgt dann die Realität seines Daseins: Die
Bestrafung. Ehe der Stier das Spiel durchschaut, beginnt die letzte
Runde: Der Tod.
Nie hat man Stiere sich beklagen hören. Wie auch? Sie haben keine
Stimme. Seit 500 Jahren werden sie und ihresgleichen in Arenen
abgeschlachtet.
Wer hilft den stimmlosen Gladiatoren ihr Schicksal zu ändern? Sie
brauchen einen, der ihre Interessen vertritt. Einen Mann des Wortes.
Einen Mann, der für Gerechtigkeit kämpft, der die Armen und die
Minderheiten liebt. Einen Mann wie Senior Lopez. Nur schade, dass
Stiere kein Bankkonto haben. Denn auch Interessenvertreter haben
Interessen.
*
Jürgen Runau, Jahrgang 1935, lebt in Hamburg als Vertriebsleiter eines
mittleren Industriebetriebes. Schreiben ist seine
Lieblingsbeschäftigung zwischen den zahlreichen Flugreisen. "Die
Interessenvertretung der Stiere" ist sein erstes Hörspiel.

Produktions- und Sendedaten
- Westdeutscher Rundfunk 1977
- Erstsendung: 18.01.1977 | 49'15