Originalhörspiel

Autor/Autorin: Joy Markert

Der Hippie-Beamte

Regie: Joy Markert

  • Weitere Mitwirkende

    Sprecher/Sprecherin
    Uwe Müller
    Susanne Bonasiewicz
    Helga Kraus
    Wolfgang Unterzaucher

Joy Markert, 1942 geboren, bis 1969 Beamter, lebte einige Zeit in der "Kommune 1", mit der er "in die Revolte rutschte". Aus der Distanz von mehr als einem Jahrzehnt beschreibt er mit einer gehörigen Portion Selbstironie die bierernste Verbissenheit und die deutsche Gründlichkeit der "68er". Skurril mutet die Szenerie in seinem autobiographischen Hörspiel schon an, die mit einer Politclown-Aktion 1963 in Stuttgart begann: "Zum Katholikentag wurden die Straßen in Stuttgart und die Veranstaltungsparks mit Postern und Pamphleten vollgepflastert. Die Aktion, als lustiges nächtliches Indianerspiel begonnen, endete mit je einer Woche Haft für alle Erwischten (ich war ausgerissen) und 25.000 Mark Schadenersatz. Der Staat zeigte sich von Anfang an in seiner 'wehrhaften Demokratie'. Aus der Kohorte wurde in Berlin die Kommune1, in der ich mein erstes Pseudonym bekam, denn ich war ja Beamter. Mittags verließ ich für zwei Stunden meinen Rathausschreibtisch, um im SDS-Büro zu arbeiten. Mitglied werden durfte ich dort nicht, weil sie nur Studenten aufnahmen. Überhaupt gab es bald viele Leute, die für Ordnung in der Revolution sorgten. Da wurden Closett-Türen ausgehängt, um den 'bürgerlichen Individualismus' auszurotten, da wurden heftige Kämpfe darüber geführt, welche Pop-Musik der Revoluzzer hören soll. Und vor allem wurden die Anführer nicht müde im Kampf um das richtige Karrieresprungbrett, um den 'Marsch durch die Institutionen' anzutreten. Ich sage das natürlich alles aus Neid und Bosheit."

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel

Produktions- und Sendedaten

  • Saarländischer Rundfunk / Sender Freies Berlin
  • Erstsendung: 09.12.1979 | 73'35

Infos zum Hörangebot/FAQ