Originalhörspiel
Autor/Autorin:
Helmut Eisendle
Die verleugnete Wirklichkeit
Regie: Walter Adler
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Norbert Kappen Lipsky Walter Taub Sprecher Sebastian Fischer Estes Rudolf Melichar Gast Gertraud Jesserer Gerd Böckmann
"Hier, in diesem Raum, ist alles möglich, weil es in Gedanken, weil es
Sprache bleibt, weil keine Verwirklichung droht." Diesen Satz spricht
Eisendles neuem Hörspiel ein gewisser Dr. Lipsky, während er am
Schreibtisch sitzt und seinen Gedankengängen nachhängt, die ihn von
der Außenwelt ablenken. Mit Menschen kommt er, wenn überhaupt, nur
zusammen, um sich zu betrinken; und überhaupt wird die
Selbstalkoholisierung für ihn zur schöpferischen Leistung, zur
Möglichkeit, sich seine Wirklichkeit aus Vorstellungen
zusammenzusetzen. Ja, für Dr. Lipsky gilt allein die Welt der
Imagination. Das Spiel mit der Gedankenwelt gibt ihm die Chance, seine
intimen Beziehungen zu den Gegentänden in seinem dämmrigen Zimmer
aufzunehmen, unbedeutende und historische, erfundene und tatsächliche
Personen seinen Vorstellungen verfügbar zu machen, Herrscher zu sein.
Dr. Lipsky, das ist der ichbezogene Individualist, der in einem
träumerischen Fluß von realen Wahrnehmungen und sich dazu
einstellenden Assoziationen die Grenze zwischen Wachen und Träumen
fließen läßt, der aus Angst vor der Wirklichkeit eben dieser
Wirklichkeit flieht, um die Freiheit seines Herrschertraumes nicht zu
verlieren.

Produktions- und Sendedaten
- Westdeutscher Rundfunk / RIAS Berlin 1979
- Erstsendung: 09.12.1979 | WDR 3 | 51'16
- Aufnahmeverfahren: Stereo-Kunstkopf