Originalhörspiel, Kurzhörspiel

Autor/Autorin: Friedhelm Sikora

Wenn Morpheus zum Tee kommt

Ein Merkblatt für den Mittagsschlaf

Redaktion: Rainer Lindenmann

Regie: Ursula Naumann

  • Weitere Mitwirkende

    Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
    Norbert KüberDer Schläfer
    Michaela DomesDie Mittagshexe
    Thomas NunnerMorpheus

Sein Ruf ist eigentlich gar nicht so übel. Gesund soll er sein und völlig unverzichtbar sowohl für das zentrale Nervensystem als auch für den übrigen Rest des Menschen. Er soll schön machen und vor allem: wer sich vorwiegend mit ihm beschäftige, der sündige nicht, heißt es. Aber der Schlaf hat auch dunkle Seiten. Dass er der kleine Bruder des Todes sei, mag man noch als blumiges Sprachbild abtun, und wenn er höhnisch als die Haupttätigkeit gewisser Berufsgruppen bezeichnet wird, könnte das ein Ausdruck von Sozialneid sein. Dass wir aber buchstäblich einiges "verschlafen" können, dass sich die Gegenstände der Außenwelt auf boshafte Weise gegen uns kehren können, wenn sich unser Bewusstsein von ihnen abkehrt, ist durchaus kein Ammenmärchen. Besondere Neigung zu solcher Verselbstständigung zeigen sie, wenn uns unser Schlaf so teuer ist, dass wir ihn auch untertags, vorzugsweise nach Tisch, nicht ganz missen mögen. Manche Leute schaffen sich dafür eigens eine Chaiselongue, eine Dormeuse, oder eben - einen Bürostuhl an. Die Antike wusste, dass Hypnos, der Schlaf, in der finsteren Unterwelt hauste. Sein Sohn Morpheus aber, die freundliche Gottheit des Traumes, begegnete den Schläfern familiär - zumeist in Gestalt eines befreundeten Menschen. Aber der Freundschaft ist - damals wie heute - nie recht zu trauen.

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel

Produktions- und Sendedaten

  • Bayerischer Rundfunk 2002
  • Erstsendung: 31.03.2002 | Bayern 2 | 14:30 Uhr | 30'00

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