Originalhörspiel
Autor/Autorin:
Jürgen Becker
Menschen in der Nähe
Technische Realisierung: Erhard Hafner, Inge Böhle
Regieassistenz: Günther Krotky
Regie: Raoul Wolfgang Schnell
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Maria Barring Karin Buchali Ingeborg Christiansen Gabriele Frost Magda Hennings Ingrid Herloff Mira Hinterkausen Sigrun Höhler Marianne Lienau Carla Neizel Marlene Riphahn Marianne Rogée Sylvia Springer Walter Adler Frank Barufski Alois Garg Frank-Erich Hübner Josef Meinertzhagen Alwin Joachim Meyer Günther Krotky Klaus-Dieter Pittrich Eric Schildkraut Hans-Peter Thielen Michael Thomas Raoul Wolfgang Schnell Musik: Willi Möllemann (Klavier)
Menschen in der Nähe: das sind in diesem Hörspiel die Stimmen von
Menschen, die über andere Menschen reden. Zwei Herren im Speisewagen,
zwei Damen im Bus einer Reisegesellschaft, ein Ehepaar im Flugzeug:
sie äußern sich über Leute in der Umgebung; über Begegnungen, die sie
erwarten; über Partner, mit denen sie in der Entfremdung leben; über
Situationen und Verhältnisse, in denen Andere sich befinden. zwischen
diesen Dialog-Szenen, die alternierend aufeinander folgen, finden
Monologe statt, wiederum von Menschen, die über andere Menschen reden,
über solche vor allem, die nicht mehr da sind, die nur in der
Erinnerung oder in der Vorstellung existieren. Denn Menschen sind
nicht allein nahe, indem sie real anwesend sind, sondern indem sie die
Hoffnungen, Wünsche und Vergangenheiten Anderer bestimmen und dabei
Abhängigkeiten herstellen, die in der Regel nicht durchschaut worden
sind. So kommen in diesem Hörspiel Widersprüche zum Vorschein: der
Nächste kann als der am wenigsten Vertraute erscheinen; der längst
Vergessene ist immer noch da: Wünsche und Fiktionen heben Einsamkeiten
auf; reale Anwesenheit bedeutet zugleich die größte Entfernung. Wo
indessen die Stimmen sich unmittelbar über gesellschaftliche Umgebung
äußern, da werden Beispiele kenntlich, Auszüge aus dem anomymen
Kommentar, den die Gesellschaft, den wir täglich von uns geben, über
uns und unseresgleichen, über Außenseiter und Angepasste, über
Nachbarn, Kollegen und Partner; ein Kommentar, der zugleich die
Kommentierenden offenbart, ihre Verlogenheiten und Illusionen, ihre
Erwartungen und Enttäuschungen." (Becker)
Weitere Informationen
Jürgen Becker, Jahrgang 1932, Schriftsteller, lebt in seiner
Geburtsstadt Köln. Der WDR brachte seine Hörspiele "Bilder", "Häuser"
und "Hausfreunde", 1969; "Erzählungen finden in den Geräuschen statt",
"Die Wirklichkeit der Landkartenzeichen" sowie "Türen und Tore"
(Mitautor), 1971; "Ein Zimmer wird leer", 1973. (Pressetext)

Produktions- und Sendedaten
- Westdeutscher Rundfunk 1973
- Erstsendung: 03.10.1973 | WDR 1 | 43'50