Originalhörspiel
Autor/Autorin:
Dieter Kühn
Nordlicht
Technische Realisierung: Dieter Grossmann, Stan Regal, Monika Jörg, Edgar Heinze
Regieassistenz: Rainer Clute
Regie: Manfred Marchfelder
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Kristin Zein Elisabeth Gerd Böckmann Leutnant Eva Manhardt Georg Corten Hermann Ebeling Walter Riss Wolfgang Condrus Erwin Schastok
Im Mittelpunkt der Montage steht die Kaiserin Elisabeth von Österreich. Ihrer sinnlichen Erlebnisfähigkeit und Fantasie wird die bürokratische, strenge Lebensweise des Kaisers Franz Joseph gegenübergestellt. "Dieses Hörspiel hat freilich kaum etwas mit der historischen Figur Elisabeth und schon gar nichts mit den biographischen oder filmischen Präsentationen dieser Figur zu tun: Elisabeth ist nur Ausgangspunkt von Bewegungen, die immer selbstständiger werden, so etwa, wie das bei wuchernden Vorstellungen isolierter Menschen der Fall sein kann. Isolierung vor allem von ihrem Gatten, dem Kaiser Franz-Joseph, der sich bekanntlich fast völlig von Aktenarbeit absorbieren ließ, dessen Sprache vorwiegend Verwaltungssprache war. Elisabeth antwortet auf die wachsende Verwaltungssprache, auf die mit leeren Sprachhülsen gebildete Hofsprache mit der Entwicklung eigener Sondersprachen: vor allem durch die Pferde- und Reitfachsprache der berühmten Reiterinn Elisabeth. Ein genaues Erzählen dessen, was sie als Reiterin tut und erlebt, führt zu einer Erschwerung von Kommunikation, es schafft Distanz durch ein Anhäufen und Wuchern von Fachwörtern, Fachausdrücken: das immer genauere Bezeichnen als immer größerer Widerstand bei der Kommunikation. Und gleichsam kompensierend entstehen Bewegungen in das immer Unwirklichere, das immer Phantastischere, bis die Textbewegung schließlich in Regionen führt, die menschenleer sind und von Nordlicht überzuckt werden." (Dieter Kühn)

Produktions- und Sendedaten
- Westdeutscher Rundfunk 1973
- Erstsendung: 15.02.1974 | WDR 3 | 42'21