Originalhörspiel

Autor/Autorin: Urs Widmer

Operette

Bearbeitung (Musik): Peter Zwetkoff

Regie: Hans Gerd Krogmann

  • Weitere Mitwirkende

    Sprecher/Sprecherin
    Steffy Helmar
    Marlene Riphahn
    Peter Besch
    Knut Koch
    Alf Marholm

    Musik: Wolfgang Lindenau (Violine)

Hat Urs Widmer in seinem ersten Hörspiel "Wer nicht sehen kann, muss hören", traditionelle poetische Muster in Frage gestellt und in dem zweiten Hörspiel "Henry Chicago" ein virtuoses stereofones Spiel mit den Vorstellungen getrieben, die sich mit den Gedanken an das Anerika von 1930 verbinden, so visiert er in seiner jüngsten Arbeit das Phänomen der Operette an. Er schreibt darüber: "Operette ist keine Operette, schon weil der Hörer die flotten Husaren und die schönen Damen der richtigen Operette nicht sehen kann; Operette ist noch weniger eine Operettenparodie, schon weil der Autor (der beim Anhören einer richtigen Operette zum Einschlafen neigt) dennoch die blödsinnige Abwesenheit jeglicher Selbstzweifel und das intakte naive Glück des Genres zum mindesten in der Theorie schätzt. Die richtige Operette ist ein Abbild des Status quo, die Diener sind leise und die Herren jovial, alles hat seine Ordnung. Der Baron erklärt dem Diener, dass er der Baron ist. Die Operette zeigt das Oben-unten-System der Gesellschaft und sie ist schön, denn Plüsch, Seide und Terzette in D-Dur sind schön. Die Operette benützt das formale Gerüst der Operette, nochmehr deren Bild von der Wirklichkeit. Auch die Operette ist, zu Beginn wenigstens, ein sehr harmonisches Hörstück. Es spricht vom Glück und vom Zwang dazu, es spricht von den Regeln, Tricks und Zwängen, mit denen die Harmonie der Gesellschaft aufrecht erhalten wird. Die Operette spricht z.B. von dem, was man sagt, was natürlich ist. Der Schüler sagt, was der Vater sagt, was der Lehrer sagt. Man hält die Gabel in der linken Hand, man grüßt den Herrn Lehrer. Die Neurose ist das private Versagen, denn man muss sich nur ein bisschen zusammennehmen ('Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist', mit Musik). Die Operette spricht, weil sie vom Glück spricht, von der verdrängten Aggression; alle haben eine gewaltige Wut, aber warum? Die Operette ist vielleicht doch eine Operette, denn sie hat eine Ouvertüre und ein Finale, auch die Operette hat eine Ordnung."

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel

Produktions- und Sendedaten

  • Westdeutscher Rundfunk / Hessischer Rundfunk 1971
  • Erstsendung: 20.06.1971 | WDR 3 | 35'37

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