Hörspiel
Autor/Autorin:
René Puissesseau
Requiem auf eine weiße Katze
Übersetzt aus dem Französischen
Übersetzung: Irma Reblitz, Henrich von Nußbaum
Regie: Ulrich Lauterbach
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Trudik Daniel Erzählerin Mira Hinterkausen Wera Petersohn Margit Spielmeyer Josef Meinertzhagen Lothar Ostermann u.a.
"Sie werden sagen, lieber Herr, vielleicht denken, da erhält man einen
Brief von irgend jemand, fragt sich, was das soll, nicht wahr - aber
wie ich da so in meiner Küche sitze, gerade, als Sie mit einem anderen
Journalisten im Rundfunk sprechen - um diese Zeit höre ich immer,
lieber Herr, ich lebe in der Einsamkeit, man weiß ja nicht mehr an wen
sich wenden, an jene, die in unser Leben verstrickt waren, an die
Toten, indem man zurückdenkt oder an die Lebenden, die man trifft, die
nie Zeit haben, diese Empfindungen, die sich nicht teilen lassen und
die ich doch so gerne mitteilen möchte, wenn man so verlassen ist,
dann ist Reden, lieber Herr und sei es noch so wenig, wie ein Fest ...
"
So beginnt der erste von fünf Briefen einer alten Frau, den ein
Rundfunkkommentator erhält - ein schüchterner Hilferuf, wie sich bald
herausstellt. Aus dem, wie es zunächst scheint, ziellosen Geplapper
von beiläufigen Bemerkungen und Erinnerungsschüben kristallisiert sich
allmählich ein Erlebnis heraus, das parabelhaft die latente
Grausamkeit unserer verwalteten Welt und die unpersönliche Fürsorge
einer Sozialordnung enthüllt, die unserem kollektivierten Gewissen so
gern als Alibi dient. Erst vom Ende her erweist sich dieser scheinbar
konfuse Briefbericht als ein kunstvolles Geflecht von
Bedeutungszusammenhängen, metaphorisch verklammert im Bild der
aufgelesenen wunden, weißen Katze, für die der Titel ein Requiem
ankündigt.

Produktions- und Sendedaten
- Westdeutscher Rundfunk 1967
- Erstsendung: 19.12.1967 | WDR 2 | 68'00