Hörspiel
Autor/Autorin:
Alexander Iwanowitsch Wwedenski
Weihnachten bei den Ivanovs
Regie: Heinz von Cramer
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Marianne Lochert Karin Buchali Walter Bluhm Stefan Matousch Rolf Becker Ingrid van Bergen Guenther Boehnert Harry Bong Hans Diehl Oswald Fuchs Eva Garg Wolfgang Gröhndahl-Kleinschmidt Herbert Herrmann Ruth Hellberg Maria Krasna Franz Kutschera Margret Kaiser Horst Michael Neutze Ruth Pera Bodo Primus Tilo Prückner Roland Schäfer Karin Schroeder Silva Springer Ilse Strambowski Heinz Schacht Gisela Trowe Charles Wirths Michael Thomas Grete Wurm
"Ihr werdet einwenden, dies sei nicht der Gegenstand, den ihr im Leben
seht? Kommt näher und fasst ihn mit Händen. Betrachtet den Gegenstand
mit bloßem Auge, und ihr werdet ihn zum ersten Mal von der alten
literarischen Vergoldung gereinigt sehen. Vielleicht werdet ihr sagen,
unsere Sujets seien "irreal" und "a-logisch"? Aber wer hat gesagt,
dass die "Alltagslogik" für die Kunst verbindlich sei?" Dies sind die
vielleicht entscheidenden Programmsätze aus dem Manifest einer
russischen Künstlergruppe, die sich OBERIU ("Gesellschaft für eine
reale Kunst") nannte und zwischen 1925 und 1929 in Leningrad am -
damals von Kazimir Malevic geleiteten - "Institut für künstlerische
Kultur" (INChUK) mit verschiedenen "dadaistischen" Veranstaltungen an
die Öffentlichkeit trat. Radikalster Autor der Gruppe (das Manifest
nennt ihn "die äußerste Linke unserer Vereinigung") war Aleksandr
VVendenskij, 1904 geboren, 1941 durch Selbstmord gestorben, ein
bislang unentdeckt gebliebener russischer Lyriker und Dramatiker des
Absurden. Die Charakteristik, die das OBERIU-Manifest vom Autor
VVendenskij entwirft, gilt im gleichen Maße für dessen "bürgerliches
Drama" "Weihnachten bei den Ivanovs": "VVedenskij zerlegt den
Gegenstand in einzelne Teile, wodurch der Gegenstand jedoch nicht
seinen konkreten Charakter verliert. Er zerlegt die Handlung in kleine
Stücke, aber dadurch verliert die Handlung nichts von ihrer
schöpferischen Gesetzmäßigkeit. Entschlüsselt man sie bis zu Ende, so
erhält man im Endeffekt - den sichtbar gemachten Unsinn. Man muss
neugieriger sein und nicht zu faul, die Kollision der Wortsinne zu
analysieren. Poesie ist kein süßer Brei, den man ohne kauen zu müssen
verschlingt und gleich danach vergisst."

Produktions- und Sendedaten
- Westdeutscher Rundfunk 1973
- Erstsendung: 20.12.1973 | WDR 3 | 87'46