Hörspiel
Autor/Autorin:
Dieter Kühn
Umwerbung
Regie: Hans Gerd Krogmann
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Heiner Schmidt I Ernst Friedrich Lichtenecker II Karin Buchali III Ursula Langrock IV Christoph Quest V Hans Paetsch VI Herbert Fleischmann Gegenstimme
Überformung durch Sprache: Was wir täglich durch Propaganda, durch
Werbung erfahren, wird in diesem Hörspiel in sprachlichen Abläufen
gegenwärtig, wird nicht umgesetzt in eine Handlung, in eine Story.
Wollte man das Phänomen pausemloser Umwerbung in eine Handlung
übersetzen, so hieße das etwa einen Werbenden und einen Umworbenen
direkt konfrontieren, beispielsweise an einer Haustüre. Dies aber wäre
ein allzu simplifizierendes Modell: Die umwerbenden Stimmen sind
überall gegenwärtig - auch dort, wo sie ignoriert, wo sie verneint
werden. So reden die werbenden Stimmen dieses Hörspiels keinen
konkreten Partner an, sondern die personlose Persönlichkeit, an die
sich jede Werbung wendet.
Die Umwerbung wird von der Gegenstimme zu Beginn freilich noch nicht
bewusst wahrgenommen, sie spricht ihren eigenen Text. In den nächsten
Phasen der Umgebung erzielen die werbenden Simmen zumindest indirekte
Reaktionen. In jeder Phase wechseln sie ihre Taktik: Sie flüstern sich
ein, sie appellieren, sie schmeicheln, drohen, drängen sich auf und
erzwingen damit wechselnde Reaktionen bei der Gegenstimme, in ihrem
monologischen Part über eine Zerlegedemonstration: Um das Wortfeld der
Gegenstimme zu begrenzen und damit Auswirkungen hörbar zu machen,
wurden ihr ein Beruf und eine Geschichte gegeben. Dennoch bleibt das
Spiel Beziehung zwischen zwei Textpartien: In ein Sprachfeld und damit
in ein Bewusstsein dringen fremde Vokabeln ein, auch wenn die
eindringende Sprache durch Sprache abgewehrt wird: Die Gegenstimme
weicht aus in Sprache, greift an mit Sprache, schießt ein verbales
Sperrfeuer ab, versucht die werbende Sprache zu zertrümmern, beharrt
auf der eigenen Sprache, zeigt in Versprechern erste Auswirkungen der
anderen Sprache, nimmt zuweilen hypnotisiert den hypnotisierenden
Tonfall auf, kommt aus dem Takt, aus der Syntax, kann zuweilen nur
noch Wörter, Wortgruppen reihen, die fremden Wörter fressen sich ein,
lassen sich aus dem Sprachfeld und damit aus dem Bewusstsein nicht
mehr entfernen: Die Auswirkungen sind indirekt, aber sie sind
unüberhörbar.
Eine dem Hörspiel "Umwerbung" vorangestellte "Arbeitscollage" gibt
Auskunft über die Probenarbeit zu dieser Realisation.

Produktions- und Sendedaten
- Westdeutscher Rundfunk 1969
- Erstsendung: 10.04.1969 | WDR 3 | 40'00