Originalhörspiel
Autor/Autorin:
Helmut Heißenbüttel
Warzen und alles. Ein quasi autobiographisches Hörspiel
Regie: Ulrich Gerhardt
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Susanne Tremper Friedhelm Ptok Reinhard Bülow Wolfgang Unterzaucher Joachim Nottke
'Man horcht in sich hinein. Ich horche in mich hinein. Was hört man? Was höre ich? Irgend etwas. Etwas Zufälliges? Etwa von sich? Ich stelle mir vor, daß mein Ich sich vorstellt, daß es Stimmen hört. Stimmen, die etwas erzählen. Stimmen, die etwas erklären. Stimmen, die miteinander reden. Bekannte Stimmen. Fremde Stimmen. Ein Banaler und völlig gleichgültiger Dialog zum Beispiel. Plötzlich ein Lied. Eine Schnulze, aber eine Edelschnulze. Zum Beispiel Hank Williams: Darling let's turn back the years. Das erinnert an etwas, das andere Stimmen weckt. Man erinnert sich in sich hineinhorchend an etwas. Fast eine Szene. Dann eine Gegenstimme, eine zweite, sich überlagernd. Etwas, an das man sich erinnert, an das ich mich erinnere, von Stimmen und Tönen überlagert. Das nimmt allmählich zu, wird dichter, ohne daß die Verständlichkeit geringer wird. Früher Gehörtes kommt zurück. Irgend etwas scheint nicht zu stimmen. Wo liegt der Konflikt? In einem natürlich. In mir natürlich. Man empfindet Schuld. Ich empfinde meine Schuld. Worüber? Ich bekenne mich schuldig, es getan zu haben. Nicht etwas Konkretes, darüber eingeblendete Kurzinterviews verlaufen ergebnislos. Es ist etwas ganz Sentimentales und Fatales zugleich. Dann beginnt Vater Freud mit der Aufklärung. Kommt es gegen Hank Williams, Jimmie Rogers, Earl Bestie usw. an? Nein. Das Letzte, was ich höre, ist ein Dialog zwischen Nancy Sinatra und Lee Hazlewood.'

Produktions- und Sendedaten
- Westdeutscher Rundfunk 1973
- Erstsendung: 21.06.1973 | WDR 3 | 43'00