Originalhörspiel
Autor/Autorin:
Reinhard Döhl
Hans und Grete
Eine deutsche Sprachlehre in zehn Kapiteln und sechs Exkursen
Regie: Heinz Hostnig
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Renate Brandt Dagmar von Kurmin Antje Roosch Horst Köhnke Leon Rainer Franz-Josef Steffens Enno Spielhagen
Dieses Hörspiel heißt im Untertitel "eine deutsche Sprachlehre in zehn Kapiteln und sechs Exkursen". Die Vorlage bildet eine Dorfgeschichte von Friedrich Spielhagen (1829-1911), ein typisches Produkt dieses Genres mit Wilderei, Liebe, Natur, Gesetz und allen anderen typischen Versatzstücken. Die Geschichte wird von Reinhard Döhl in ihre Bauteile zerlegt, die Ingredienzien werden ausgefällt und es werden zehn neue Kapitel daraus gefügt. Es zeigt sich, wie in dieser Vorlage Moral, Gesetz, Gesellschaftsordnung, aber auch Psyche und Natur und analog dazu die Sprache allesamt ein für allemal definiert sind und nach solchen normativen Kriterien gehandhabt werden. Die Schilderung der ländlichen Idylle, die Natursymbolik, Folklore und Sprichwörter spiegeln genau die Affirmation des bestehenden Systems, die in der Darstellung von Entstehung, Verlauf und Lösung des Konfliktes sicherlich nicht intendiert war, da Spielhagen seine schriftstellerische Arbeit als fortschrittlich und liberal verstand. Sechs von Ludwig Harig beigesteuerte Exkurse in eine Zwergschule, in der deutsche Sprachlehre unterrichtet wird, veranschaulichen auf anderer Ebene die Methoden zur Verfestigung normativer Wertbegriffe. "Hans und Grete oder Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm" ist Reinhard Döhls viertes Hörspiel. 1968 brachte der WDR "Herr Fischer und seine Frau", 1969 das Hörspiel "Die Mauer oder Morgen ist auch noch ein Tag" und im März dieses Jahres "Das Hörspiel von heute morgen jederzeit oder Die Bandenschlacht bei Blacktown.

Produktions- und Sendedaten
- Westdeutscher Rundfunk 1970
- Erstsendung: 25.08.1970 | WDR 2 | 47'40