Originalhörspiel
Autor/Autorin:
Femi Euba
Schildkröte
übersetzt aus dem Englischen
Übersetzung: Elmar Tophoven
Regie: Günther Sauer
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Hans Helmut Dickow Gefangener Horst Michael Neutze Kuru Helmut Peine Politik Wolfgang Wahl Plus-Zwei-Stimme Alois Garg Dichter
Das Hörspiel "Schildkröte" des Nigerianers Femi Euba ist eine der
ersten authentischen literarischen Stimmen zum Konflikt zwischen
Nigeria und der sezessionierten Ostprovinz Biafra. Euba ergreift nun
nicht auf dieser oder jener Seite Partei. Krieg erscheint in seinem
Hörspiel als sinnlos zerstörerischer Machtkampf. Die Stimme der
Vernunft wird mit Gewalt zum Schweigen gebracht und muss sich
obendrein ob ihrer Ohnmacht den Hohn der Mächtigen gefallen lassen.
Freiheit, Einigkeit und Gleichheit sind für den Häftling "Schildkröte"
eine ererbte Illusion und ein Vorwand für skrupellose Machtpolitik.
Weil "Schildkröte" intelligent genug war und die Phrasen durchschaut
hat, weil er darum nicht zu den Waffen greifen wollte, sitzt er jetzt
im Gefängnis. Der tödliche Kampf zwischen gelben und schwarzen
Ameisen, der in seiner Zelle um eine Brotkruste geführt wird, ist ihm
Sinnbild für das Treiben der unvernünftigen Macht, als deren Vertreter
ihm der Wärter Kuru gegenübersteht.
[...]
Der WDR setzt mit dem neuen Hörspiel von Femi Euba seine Reihe
afrikanischer Hörspiele fort; im Rahmen dieser Auseinandersetzung mit
der zeitgenössischen afrikanischen Literatur steht auch ein neues
Hörspiel von Gaston Bart-Williams, "Uhuru", das am 13. Dezember zur
Ursendung kommt.

Produktions- und Sendedaten
- Westdeutscher Rundfunk 1969
- Erstsendung: 24.09.1969 | WDR 1 | 36'23