Ars acustica
Autor/Autorin:
Marcel Proust
Harmonies of Paradise
Gewidmet den Straßenmusikern N.Y.
Frei nach Motiven aus "Eloge de la mauvaise musique" von Marcel Proust
Vorlage: Eloge de la mauvaise musique (französisch)
Bearbeitung (Wort): Hermann Kretzschmar
Komposition: Hermann Kretzschmar
Redaktion: Manfred Hess
Dramaturgie: Manfred Hess
Technische Realisierung: Helmut Becker, André Bouchareb, Ursula Potyra
Regie: Hermann Kretzschmar
Weitere Mitwirkende
Musik: Wolfram Koch (Stimme), Christoph Quest (Stimme), Micaela Haslam (Singstimme)
Ensemble: Schlagzeugensemble S: Peppie Wiersma, Stephan Meier, Arnold Marinissen
"Musik erzählt Geschichten. O-Töne sind Musik und erzählen Geschichten. Ich wollte seit langem ein Hörstück über Musik erarbeiten, das Text als Sprache und Gesang, Originaltöne und eigene Komposition miteinander in Korrespondenz setzt, ohne dass hier der traditionelle Weg der Vertonung eingeschlagen wird: ein Stück, dessen Struktur sich aus diesen gleichberechtigten, sich spielerisch vorantreibenden Elementen entwickelt. Material für "Harmonies of Paradise" sind O-Ton-Aufnahmen von Straßen und Straßenmusikern New Yorks, ein im Studio aufgenommenes Konzertstück für drei Schlagzeuger, das auf die O-Töne antwortet und sie fortschreibt; zugleich dient als frei genutzter textlicher Bezugspunkt Marcel Prousts "Éloge de la mauvaise musique" aus "Les jours et les plaisiers". Textmaterial dieses poetisch-impressionistischen Raisonnements über die (und nicht nur die) Unterhaltungsmusik als sogenannnte "sinnstiftende Einheit fürs Leben" sprechen und singen drei Darsteller auf deutsch, englisch und französisch. Gebunden werden die Elemente über die Perspektive eines sich seinen Fantasien überlassenden Flaneurs: Er zieht in New York von Straße zu Straße, findet die verschiedensten akustischen Objets trouvés. Es entstehen Metamorphosen zwischen Kunst- und Straßenmusik - und über Proust Metamorphosen von Stimmen zwischen gesungenen, repetitiven und narrativen Textpassagen. Über die musikalische Struktur entwickelte sich schließlich aus einem lyrischen Essay als reines Textmaterial ein komplexes, materialreiches Hörgedicht: vordergründig als akustische Reise durch Straßenschluchten, hintergründig als meditative musikalisch-literarische Befragung unterschiedlicher ästhetischer Standorte: Abstrakte Kunstmusik, Volksmusik, Popmusik, Straßenmusik, Trash und art existieren gleichzeitig. Was erzählen sie? Die Widmung gehört den Straßenmusikern N.Y." (Hermann Kretzschmar)
Weitere Informationen
Hermann Kretzschmar, geboren 1958, lebt in Frankfurt am Main als Pianist beim "Ensemble Modern", er ist Komponist und Hörspielmacher (u.a. "Zur Zeit" hr 2000/03, "Stufen" nach Hermann Hesse/John Cage, hr 2002, "Strahlungen." nach Ernst Jünger, hr 2004). Er war Mitglied der "Gruppe HCD" ("Denotation Babel" von Helmut Krausser, hr 1998, ausgezeichnet mit dem "Prix Italia" 1999, "COSMICMEMOS", hr 2001, ausgezeichnet mit dem "NRW-Hörspielpreis der Fachjury").

Produktions- und Sendedaten
- Hessischer Rundfunk 2006
- Erstsendung: 14.06.2006 | hr2-kultur | 21:30 Uhr | 41'55
Rezensionen (Auswahl)
- Markus Collalti: Funk-Korrespondenz. 54. Jahrgang. Nr. 24. 16.06.2006. S. 30.