Monolog
Autor/Autorin:
Kay Hoff
Stimmen des Libal
Funkerzählung
Regie: Otto Düben
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Wolfgang Büttner
Irgendeine bundesdeutsche Durchschnittsfigur - der 60jährige "Libal" spricht sich gegenüber der 20 Jahre jüngeren Frau "Hilde", die er heiraten will, aus. Ihre Antworten oder Einwürfe bleiben unüberhörbar, nur seine Stimme: - im Vordergrund eine biedermännisch-bürgerliche Standortdarlegung - manch dunkle Bilder der Vergangenheit versucht er monologisierend, voller Entschuldigungen und Rechtfertigungen zu frisieren und zu bewältigen, sein "ICH" in ein relativ positives Licht zu rücken (Verhalten während des Krieges, Abneigung gegen die verstorbene Frau, Einstellung zu den Söhnen, Haltung gegenüber Fragen der Gegenwart), im Hintergrund seine andere, tiefere Stimme - technisch klangverfremdet, in rhythmischem Stakkato -, die mit ständig wiederholten, schlagwortartigen Bewusstseinskorrekturen und -erinnerungen an bestimmten Punkten in seinen schön zurechtgefärbten, vertuschenden Rechenschaftsbericht einfällt (Baranovice, jawohl, niemals das weiße Gesicht, treusorgende Mutter, ich wollte nicht, Befehl ist Befehl, Schweine, Menschen, Gewissen, weiß nicht, jeder, Sauberkeit und Ordnung, Köpfe, ich nicht, ja wohl ja). Doch der "motorisch quasselnde" Libal in seiner gegenwärtig zur Schau getragenen Selbstgefälligkeit, gutbürgerlichen Rechtschaffenheit und Wohlanständigkeit lässt sich durch die innere Stimme nicht aus den Angeln heben - "die Libals waren immer anständige Leute und sauber".

Produktions- und Sendedaten
- Deutschlandfunk
- Erstsendung: 26.03.1966 | 33'40