Originalhörspiel
Autor/Autorin:
Dezsö Monoszlóy
Unser nicht tägliches Brot
übersetzt aus dem Ungarischen
Übersetzung: Attila Láng
Technische Realisierung: Eduard Kramer, Adeltraut Hahn-Schumann
Regie: Wolf Quiel
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Maria Krasna Die Alte Hans Goguel Der Auftraggeber Martin Arnhold Der Zeitungsverkäufer Robert Seibert Vertreter für Kupferstiche
"Versprochen habe ich garnichts. Ich sagte lediglich, wir leben alle in der Kategorie Hoffnung. Und die Ware wird irgendeinmal doch noch eintreffen. Wann? Das können wir nicht bestimmen und auch nicht vorantreiben", sagt die Alte zu Beginn des Hörspiels zu ihrem Auftraggeber, der ansonsten anonym bleibt. In diesem Zitat klingt das "Prinzip Hoffnung" von Bloch an, und sicherlich hat der Autor auch an Bloch gedacht, als er diese Sätze schrieb, wenn auch im völlig entgegengesetzten, nämlich im Sinne der Perversion dieses Begriffes von der Hoffnung. Die Alte nämlich besitzt mehrere hungrige Hunde, denen sie, nach einem bestimmten Ritual, schließlich eingetroffene Gäste zur Zerfleischung ausliefert. Hoffnung heißt auf diesem Hintergrund entschlüsselt: hoffentlich kommen neue Gäste, die Ware, das sind die Gäste, und daß man die Hoffnung "nicht vorantreiben" kann, bedeutet, daß das System noch nicht so perfekt ist, die Gäste gewissermaßen organisiert und nach Plan der Zerstörung aussetzen zu können. Opfer des Rituals ist diesmal ein Vertreter für Kupferstiche, der ahnungslos, bei Tee und Plätzchen, seinem Ende entgegenplaudert. Das System, gut getarnt durch den Salon einer älteren liebenswürdigen Dame, entlarvt sich schließlich als grausame Exekutionsstätte.

Produktions- und Sendedaten
- Saarländischer Rundfunk 1976
- Erstsendung: 13.03.1977 | 31'00