Feature
Autor/Autorin:
Hans Platschek
Ich will nicht einmal wissen, ob es vor mir schon Menschen gegeben hat
Eine Werkstatt über Dada in Zürich
Redaktion: Heinz Hostnig
Regieassistenz: Günter Guben
Regie: Claus Villinger
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Hermann Treusch Chroniksprecher Peter Lieck Ball Lore Brunner Hennings Manfred Georg Herrmann Janco Rudolf Jürgen Bartsch Huelsenbeck Manfred Schradi Arp Charles Wirths Richter Toni Slama Serner Fred C. Siebeck Picabia Hans-Peter Bögel 1. Zitator Heiner Schmidt 2. Zitator
Es hat im Dadaismus, grob gesagt, stets zwei Richtungen gegeben, eine, die militante, gesellschaftskritische, ja destruktive Züge trug und eine andere, die den Weg zum Ursprünglichen, zum Unvermittelten oder zum Ursächlichen, finden wollte. So schematisch allerdings lassen sich beide Richtungen nicht abgrenzen, denn ihre Protagonisten haben wiederholt das Lager gewechselt und damit die ohnehin nicht immer klaren Programmpunkte zusätzlich durcheinander gebracht. Das Kunterbunt ist das einzige, woran man sich halten kann. Hier kommen die Ur-Dadaisten selbst zu Worte, die also, die dabei gewesen sind. Einmal handelt es sich um zeitgenössische Darstellungen, wie die Eintragungen aus Hugo Balls Tagebuch, ein andermal um Rückblicke, wie die Erinnerungen von Hülsenbeck und Richter, wieder ein andermal spricht ein Protagonist erst als junger, dann als alter Mann. Den Plot bildet ein Prosa-Stück mit Seltenheitswert, Tristan Tzaras "Chronique Zurichoise" nämlich aus dem Jahre 1920, die hier zum erstenmal in deutscher Sprache an die Öffentlichkeit kommt. Ist Tzara aber ein verläßlicher Chronist? Um das zu beantwo rten, sind die begleitenden Stimmen seiner Freunde zwischengeblendet, die später oft, denn Geschäft ist Geschäft, seine Feinde wurden.

Produktions- und Sendedaten
- Süddeutscher Rundfunk / Norddeutscher Rundfunk 1977
- Erstsendung: 19.02.1977 | 69'05