Hörspielbearbeitung
Autor/Autorin:
Jean Anouilh
Medea
Vorlage: Medea (Schauspiel, französisch)
Übersetzung: N. N.
Bearbeitung (Wort): Karl Peter Biltz
Komposition: Karl Sczuka
Technische Realisierung: Friedrich Basan
Regie: Karl Peter Biltz
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Anne Kersten Medea Claire Ruegg Amme Paul Dättel Kreon Wolfgang Golisch Jason Alexander Hegarth Junge Ernst Sladeck Wächter Musik: Erich Seiler (Trommel)
Man mag verschiedener Meinung darüber sein, ob das Aufgreifen antiker Stoffe nur eine literarische Mode ist oder eine innere Berechtigung hat. Wer sich lediglich von dem Gegensatz zwischen dem historischen Kostüm und dem modernen Dialog eine besondere Wirkung verspricht, ist hinter der Entwicklung zurück. Ernst zu nehmen ist aber der moderne Dichter, der erneut eine Grundsituation des Menschen prüfen will. Vor allem Jean Anouilh ist durch diese literarische Methode in Deutschland bekannt geworden. Auf die Tragödie "Antigone" und das Schauspiel "Eurydike" folgte das einaktige Drama "Medea". Das Bemerkenswerte, verglichen mit Euripides und Grillparzer, liegt bei Anouilh darin, daß er das Tragische nicht nur in Medea, sondern auch in Jason sieht. Der große Dialog zwischen beiden bildet deshalb das Kernstück des Dramas. Jason ist der Mann, der sich endgültig von der Leidenschaft und Maßlosigkeit der Medea befreien will. Sie kann nicht mehr zurück und ist zum Untergang bestimmt. "Ich aber", so sagt Jason, "ich will bescheiden sein. Ich will, daß diese Welt, dieses Chaos, in das du mich führst, endlich eine feste Form annimmt. Ich will jetzt einhalten und ein Mann sein. Einer, der lebt, vielleicht ohne Illusionen, wie alle diejenigen, die wir verachten. Ich will tun, was mein Vater, der Vater meines Vaters und alle anderen getan haben, die sich lange vor uns und mit weniger Umständen in eine Ordnung fügen." Es ist die Tragödie dieser Tragödie, daß Jason, der Medea abgeschüttelt hat, kein eigenes neues Leben mehr haben kann, denn alles, was ihn mit dem Leben noch verbinden wird, heißt Erinnerung, heißt Medea.

Produktions- und Sendedaten
- Südwestfunk 1949
- Erstsendung: 17.01.1950 | 61'30
In keiner ARD-Rundfunkanstalt verfügbar