Originalhörspiel
Autor/Autorin:
Uwe Friesel
Wernicke. Eine Familienserie (9. Folge: Irgendwann passiert es eben oder Katrin hat einen festen Freund)
Komposition: John O'Brien-Docker
Redaktion: Heinz Hostnig
Technische Realisierung: Erich Matthias, Evelyn Seeliger
Regie: Hans Rosenhauer
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Brigitte Rohkohl An- und Absage Edgar Hoppe Manfred Wernicke, der Vater Karen Hüttmann Helga Wernicke, die Mutter Annette Ehrhardt-Renken Katrin WErnicke, die Tochter Thomas Kröger Dirk, Katrins Freund
Die Hörspielredaktion des NDR stellt in Co-Produktion mit dem WDR eine neue Arbeit vor:
„Wernicke, Eine Familienserie“
Als Ergebnis der Programmarbeit der letzten zwei Jahre und der Gespräche mit Hörern und Autoren hat die Hörspielredaktion zusammen mit den Autoren Uwe Friesel, Margarete Jehn und Hubert Wiedfeld eine Familienserie entwickelt. Keine vordergründige, agitatorische Information, keine in seichten Klischees eingefahrene Unterhaltungsformen, sondern eine genaue dramaturgische Kombination von Spiel und Realität bestimmt diese Familienserie. Mit Knappheit und Überschaubarkeit, mit spielerischem Witz und kritischer Information werden Denkmodelle und Handlungsalternativen für den Hörer zur Diskussion gestellt. Das Leben von Familie Wernicke zu verfolgen, soll Spaß machen, soll entspannend sein: Entspannung als Lösung von Spannung, Auflösung von Spannung.
Familie Wernicke lebt in Harburg. Der Vater arbeitet in der gummiverarbeitenden Industrie, die Mutter ist Hausfrau, die Tochter besucht die letzte Klasse der Volksschule, der Sohn wechselt nach der Grundschule gerade den Schultyp. Familie Wernicke ist mit ihrer Umwelt verbunden, die Probleme, mit denen sie fertig werden muß, sind zahlreich. Wernickes sind eine Familie im Prozeß, bestimmt von Umwelt, auf Umwelt reagierend. Familie Wernicke wird überall zu verfolgen sein: in ihrer Wohnung, in ihrem Stadtteil, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Urlaub. Die Umwelt der Wernickes ist auch die Umwelt des Hörers. Wernickes haben Verwandte, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen. Wernickes begegnen fremden Personen z.B. dem Lehrer, dem Gemeindepfarrer, Beamten, öffentlichen Dienststellen, Gewerkschaftlern und anderen. Diese Personen werden nicht von Schauspielern dargestellt. Warum sollten sie nicht als Berufspersonen selbst auftreten? Wernickes brauchen Informationen aus der realen Umwelt. Warum sollen sie sich diese Informationen nicht bei diesen Personen holen? Es sind die gleichen Informationen, die der Hörer braucht.
8. Folge: Katrin Wernicke war in den Ferien. Angeblich mit Bärbel, einer Klassenkameradin. Doch Helga Wernicke erfährt von Bärbel, daß sie bei ihren Großeltern im Sauerland war. Und Katrin? Katrin ist mit ihrem Freund Dirk allein nach Schleswig-Holstein gefahren. Helga und Manfred Wernicke sind ziemlich überrascht. Und entsetzt! Welche Folgen ergeben sich aus Katrins Verhalten? Was haben sie bei ihrer Tochter vernachlässigt? Warum hat Katrin kein Vertrauen mehr zu ihnen? Fragen, die Manfred und Helga erst einmal zwischen sich selbst klären müssen, bevor sie mit Katrin und Dirk reden. Wie werden diese Gespräche ausgehen?
Zum ersten Mal haben die Schauspieler der Familienserie „Wernicke“ versucht, die Probleme rund um das Thema „Sexualität“ in einem improvisierten Spiel darzustellen. Es gab eine lange und detaillierte Spielvorlage von Uwe Friesel, dem Autor dieser neunten Folge. Es gab genaue Daten zum Sexualverhalten von Arbeitern, als Basismaterial für die Schauspieler. Was es nicht gab, waren fertige Dialoge. Die Schauspieler dieser Folge, Karen Hüttmann, Edgar Hoppe, Annette Ehrhardt-Renken und Tomas Kröger sollten ihre eigene Sprache, ihre eigenen Erfahrungen in das Spiel mit einbringen, ebenso ihre eigenen Nöte, ein so schwierig zu formulierendes Problem anschaulich zu machen.

Produktions- und Sendedaten
- Norddeutscher Rundfunk / Westdeutscher Rundfunk 1974
- Erstsendung: 04.08.1974 | NDR 2 | 24'05