Originalhörspiel
Autor/Autorin:
Uwe Friesel
Wernicke. Eine Familienserie (21. Folge: Nun mach mal 'n Punkt, Helga oder Das Jahr der Frau)
Komposition: John O'Brien-Docker
Technische Realisierung: Susanne Ziege, Cordula Twiehaus
Regieassistenz: Marianne Meek-Therstappen
Regie: Hans Rosenhauer
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Edgar Hoppe Manfred Karen Hüttmann Helga Wernicke Annette Ehrhardt-Renken Katrin Michael Heinz Jens Wolf-Dietrich Sprenger Herr Hannemann, Substitut Berthold Cohn O-Ton Gewerkschaft HBV, zuständig für Frauenfragen u.a.
Die Hörspielredaktion des NDR stellt in Co-Produktion mit dem WDR eine neue Arbeit vor:
„Wernicke, Eine Familienserie“
Als Ergebnis der Programmarbeit der letzten zwei Jahre und der Gespräche mit Hörern und Autoren hat die Hörspielredaktion zusammen mit den Autoren Uwe Friesel, Margarete Jehn und Hubert Wiedfeld eine Familienserie entwickelt. Keine vordergründige, agitatorische Information, keine in seichten Klischees eingefahrene Unterhaltungsformen, sondern eine genaue dramaturgische Kombination von Spiel und Realität bestimmt diese Familienserie. Mit Knappheit und Überschaubarkeit, mit spielerischem Witz und kritischer Information werden Denkmodelle und Handlungsalternativen für den Hörer zur Diskussion gestellt. Das Leben von Familie Wernicke zu verfolgen, soll Spaß machen, soll entspannend sein: Entspannung als Lösung von Spannung, Auflösung von Spannung.
Familie Wernicke lebt in Harburg. Der Vater arbeitet in der gummiverarbeitenden Industrie, die Mutter ist Hausfrau, die Tochter besucht die letzte Klasse der Volksschule, der Sohn wechselt nach der Grundschule gerade den Schultyp. Familie Wernicke ist mit ihrer Umwelt verbunden, die Probleme, mit denen sie fertig werden muß, sind zahlreich. Wernickes sind eine Familie im Prozeß, bestimmt von Umwelt, auf Umwelt reagierend. Familie Wernicke wird überall zu verfolgen sein: in ihrer Wohnung, in ihrem Stadtteil, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Urlaub. Die Umwelt der Wernickes ist auch die Umwelt des Hörers. Wernickes haben Verwandte, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen. Wernickes begegnen fremden Personen z.B. dem Lehrer, dem Gemeindepfarrer, Beamten, öffentlichen Dienststellen, Gewerkschaftlern und anderen. Diese Personen werden nicht von Schauspielern dargestellt. Warum sollten sie nicht als Berufspersonen selbst auftreten? Wernickes brauchen Informationen aus der realen Umwelt. Warum sollen sie sich diese Informationen nicht bei diesen Personen holen? Es sind die gleichen Informationen, die der Hörer braucht.
21. Folge: Katrin liest viel Theoretisches über Emanzipation. Sie muß zum "Jahr der Frau" ein Referat machen. Helga hat das Gefühl, die Arbeit wächst ihr über den Kopf. Am Sonntag - Jens und Vater Wernicke legen eine Dränung im neu gepachteten Gartenland - beschließen Mutter und Tochter, auf eigene Faust einen Ausflug nach Hamburg an die Alster zu machen und Tretboot zu fahren. Wenigstens in ihrer Freizeit wollen sie nicht benachteiligt sein wie am Arbeitsplatz, in der Ausbildung, ja eigentlich überall in der Gesellschaft. Manfred staunt nicht schlecht, als Helga ihm am Abend obendrein noch erklärt, Herr Hannemann, Substitut von der Schuhabteilung der HAKA, habe sie zu einem Abendessen eingeladen. Stimmt nicht mehr alles bei den Wernickes?

Produktions- und Sendedaten
- Norddeutscher Rundfunk / Westdeutscher Rundfunk 1975
- Erstsendung: 06.07.1975 | NDR 2 | 24'32