Originalhörspiel

Autor/Autorin: Uwe Friesel

Wernicke. Eine Familienserie (22. Folge: Der Tod macht stille Leut' oder Ein Nachlaß wird besichtigt)

Komposition: John O'Brien-Docker
Technische Realisierung: Horst Schmerberg, Anne Domernicht
Regieassistenz: Marianne Meek-Therstappen

Regie: Hans Rosenhauer

  • Weitere Mitwirkende

    Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
    Edgar HoppeManfred
    Marga MaasbergTante Luise

Die Hörspielredaktion des NDR stellt in Co-Produktion mit dem WDR eine neue Arbeit vor: „Wernicke, Eine Familienserie“ Als Ergebnis der Programmarbeit der letzten zwei Jahre und der Gespräche mit Hörern und Autoren hat die Hörspielredaktion zusammen mit den Autoren Uwe Friesel, Margarete Jehn und Hubert Wiedfeld eine Familienserie entwickelt. Keine vordergründige, agitatorische Information, keine in seichten Klischees eingefahrene Unterhaltungsformen, sondern eine genaue dramaturgische Kombination von Spiel und Realität bestimmt diese Familienserie. Mit Knappheit und Überschaubarkeit, mit spielerischem Witz und kritischer Information werden Denkmodelle und Handlungsalternativen für den Hörer zur Diskussion gestellt. Das Leben von Familie Wernicke zu verfolgen, soll Spaß machen, soll entspannend sein: Entspannung als Lösung von Spannung, Auflösung von Spannung. Familie Wernicke lebt in Harburg. Der Vater arbeitet in der gummiverarbeitenden Industrie, die Mutter ist Hausfrau, die Tochter besucht die letzte Klasse der Volksschule, der Sohn wechselt nach der Grundschule gerade den Schultyp. Familie Wernicke ist mit ihrer Umwelt verbunden, die Probleme, mit denen sie fertig werden muß, sind zahlreich. Wernickes sind eine Familie im Prozeß, bestimmt von Umwelt, auf Umwelt reagierend. Familie Wernicke wird überall zu verfolgen sein: in ihrer Wohnung, in ihrem Stadtteil, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Urlaub. Die Umwelt der Wernickes ist auch die Umwelt des Hörers. Wernickes haben Verwandte, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen. Wernickes begegnen fremden Personen z.B. dem Lehrer, dem Gemeindepfarrer, Beamten, öffentlichen Dienststellen, Gewerkschaftlern und anderen. Diese Personen werden nicht von Schauspielern dargestellt. Warum sollten sie nicht als Berufspersonen selbst auftreten? Wernickes brauchen Informationen aus der realen Umwelt. Warum sollen sie sich diese Informationen nicht bei diesen Personen holen? Es sind die gleichen Informationen, die der Hörer braucht.

22. Folge: Die 22. Folge der Familienserie Wernicke handelt von der Schwierigkeit des Miteinanderredens. Das Stück handelt von den Schwierigkeiten, einander die Wahrheit zu sagen, ohne dabei wegzugucken. Der Tod Elfriedes schafft für die Familie Wernicke, vor allem für Manfred, eine neue Situation. Manfred und Luise müßten eigentlich diese neue Situation miteinander bereden. Aber sie haben Angst vor der Antwort auf die Frage "Was nun?". Sie flüchten in die Familiengeschichte. Beide sind hilflos und haben ein schlechtes Gewissen. Ihre Haltung ist verkrampft. Ihre "Gespräche" sind Ersatzgespräche. Zum ersten Mal seit vielen Jahren "wohnt" Manfred für ein paar Tage bei seiner Tante. Durch das Alleinsein stellt sich die alte (fast verschüttete) Mutter-Kind-Beziehung wieder her, aber anders, unsicher. Dadurch, daß Luise und Manfred nicht über die Gegenwart und die Zukunft reden können, erfährt man etwas über ihre Vergangenheit. Widersprüchliches. Wenn sie aus der Vergangenheit wieder auftauchen, ist ihnen nicht gut.

Der deutsche Hörspielregisseur Hans Rosenhauer Ende der 1950er Jahre.
©dpa picture-alliance/Roba Archiv
Der deutsche Hörspielregisseur Hans Rosenhauer Ende der 1950er Jahre. ©dpa picture-alliance/Roba Archiv

Produktions- und Sendedaten

  • Norddeutscher Rundfunk / Westdeutscher Rundfunk 1975
  • Erstsendung: 03.08.1975 | NDR 2 | 24'42

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