Originalhörspiel, Originaltonhörspiel

Autor/Autorin: Joy Markert

Die Frau aus besseren Kreisen

Technische Realisierung: Ernst Becker, Rosel Wack
Regieassistenz: Stefan Dutt

Regie: Joy Markert

  • Weitere Mitwirkende

    Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
    Joy MarkertErzähler und im Gespräch mit seinen Eltern und seiner Schwester
    Maria MarkertMutter
    Heinz MarkertVater

"Originalton-Hörspiele sind anscheinend abgedroschen. Warum diese Form also nicht für ein angeblich abgedroschenes Thema verwenden? Familiengeschichten, vor allem in den Medien, waren für mich meist etwas Exotisches. Ich konnte nicht nachvollziehen, daß diese zusammengewüfelten Leute so viel miteinander zu tun hatten und so eine Intensität im Umgang besaßen. Da wird gestritten und geküßt und alle Lebensentscheidungen sind von den Gefühlen der Familie abhängig. Meine Eltern und Geschwister, von Tanten und Onkeln zu schweigen, waren für mich sehr fremde Leute, und ich glaube, es geht in Wirklichkeit vielen Menschen so. Oder täuscht man sich über die fortdauernde Macht der "Institution Familie"? Ich machte Aufnahmen mit meiner Mutter und mit meinem Vater, wobei wir uns sehr distanziert verhielten und ich mich sehr ungeschickt benahm, mich anfangs als "Künstler" zu profilieren glaubte, was mir angesichts der Geschichte rasch verging. Meine Eltern erinnern mich an das Ehepaar in Heinrich Manns Novelle "Eine Liebesgeschichte". (Die Frau aus reichem Haus, nach dem Herkommen für ihr Leben versorgt, wollte sie materiellen Reichtum unbedingt mit dem Reichtum der Liebe verbinden. Sie wußte, was sie wollte, ihm dagegen ahnte nichts.") Eine Frau aus besseren Kreisen heiratet einen armen Hallodri gegen alle Widerstände, nur um festzustellen, daß sie ihn katastrophal haßt, und er sie. Die erzählerische Lauterkeit dieser beiden Leute erregte mich so, daß ich vom Roß des angeblichen Künstlers herunterfiel und nichts anderes mehr war als der Junge dieser Erwachsenen. Obwohl das ganze Jahrhundert fast statistisch aufgerollt wurde, brachen die persönlichen Fassaden in schönem Rhythmus zusammen, das Trio Mutter-Vater-Sohn rieb sich in "heiliger Dreiuneinigkeit" an der Wirklichkeit, die alle kaputt gemacht hatte. Aber was ist dabei Wirklichkeit? Ich glaube, die Institution Familie ist meist die nachhaltigste Ursache nicht nur für die bekannten psychischen Deformationen, sondern für die Exotik des alltäglichen Aneinandervorbeilebens, das als Vertrautheit vorgelogen wird ..."

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel

Produktions- und Sendedaten

  • Saarländischer Rundfunk 1979
  • Erstsendung: 10.04.1980 | 68'15

Haben Sie Anregungen oder Ergänzungen zu diesem Eintrag?

Infos zum Hörangebot/FAQ