Hörspielbearbeitung
Autor/Autorin:
René de Obaldia
Der Hundertjährige
Vorlage: Le centenaire (Roman, französisch)
Übersetzung: Eugen Helmlé
Bearbeitung (Wort): Josef Schweikhardt
Regie: Manfred Marchfelder
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Wolfgang Luckschy Der Hundertjährige
Monsieur le Comte lebt allein, von einer Haushälterin spärlich versorgt, irgendwo in Paris. Seine einzigen Anknüpfungspunkte zum Leben: die Bank der Greise im Park, Gespräche im Laden an der Ecke, im Café, manchmal der Bildschirm und selten Briefe der im Ausland lebenden Töchter. Die Vorstellung: 'In dreizehn Jahren werde ich ein Hundertjähriger sein' hilft ihm, den drohenden Tod zu ignorieren. Sein Bewußtsein, ebenso senil wie intelligent, wird von Erinnerungen eines langen Lebens überschwemmt, produziert absurde Bilder, clownhafte Selbstironien, haarsträubende Alpträume. Was er, um sich vor diesem Ansturm zu retten, mit einer Schrift, die nicht zittert, sondern tanzt, in Schulhefte niederschreibt, ergibt eine makabre Lebensbilanz. Der "Hundertjährige", der nicht mehr schlafen kann, ergibt sich dieser Niederschrift wie einem Rausch. Boshaft und witzig, albern und poetisch, eigensinnig, gierig nach neuer Liebe - so strömen Gedanken chaotisch dahin, ein verwirrendes Spiel mit Fakten und Phantasien, das immerfort in metaphysische Erkenntnisse umschlägt. Das fragmentarische Psychogramm eines Greises, der nur noch einer einzigen Wirklichkeit gewiß ist: der des Todes. "Unsere Füße bekommen Flügel. Obaldia ein Aufwiegler? Ein sanfter Anarchist." (Maurice Nadeau)

Produktions- und Sendedaten
- Saarländischer Rundfunk 1980
- Erstsendung: 23.10.1980 | 45'30