Hörspielbearbeitung, Mundarthörspiel
Autor/Autorin:
Heinrich Schmidt-Barrien
Klocken von Guntsied
Vorlage: Klocken von guntsiet (Theaterstück, niederdeutsch)
Bearbeitung (Wort): Eberhard Freudenberg
Regie: Eberhard Freudenberg
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Hartwig Sievers Borghardt Margarethe Wisser Frauke Hans Joachim Schenck Lür Elsbeth Kwintmeyer Emke Heinrich Schmidt-Barrien Pastor Heinz Krug Gerd Hermann Bartschat Träger Helmut Stange Träger
Obwohl der Autor sein Spiel weit in die Vergangenheit zurück verlegt, und zwar "in die Zeiten, in denen die Pest im Lande war", ist sein Thema gegenwartsnah wie kaum ein anderes. Es geht um die Verantwortung, die Verantwortung jedes einzelnen für das Allgemeinwohl. Und es geht nicht zuletzt auch um das Verhältnis vom einzelnen zur Masse. Inmitten der Gemeinschaft eines Dorfes, dessen Bewohner in ihrer Abgeschiedenheit hinter dem großen Moor noch ganz in der Dumpfheit mittelalterlichen Aberglaubens befangen sind, steht der Burvagt Borghardt. Von seinen Reisen und Studien hat er nicht nur einiges Wissen um die Heilkunst mitgebracht, sondern auch die klare Erkenntnis seiner Pflicht der Allgemeinheit gegenüber, die ihn zum Burvagt gewählt hat. Es ist eine schlimme Zeit: Von Osten her rückt die Pest immer näher, und nur nach Osten hin ist das Dorf durch einen schmalen Damm mit seiner Umwelt verbunden. Und eines Tages klingen plötzlich die Glocken über das Moor herüber, die auch in früheren Zeiten schon die Ankunft des Schwarzen Todes verkündet haben. Befehdet von der ganzen Dorfgemeinschaft, allein gelassen von seiner Frau und von seinem letzten Helfer, dem Pastor, und verraten schließlich von seinem eigenen Stiefsohn, scheitert Borghardt an seiner Aufgabe, die Pest vom Dorf fernzuhalten. Er, der als Arzt einen Schwur getan hat, niemals dem Tod die Hand zu reichen, muß als Burvagt die Flinte auf den eigenen Stiefsohn richten, der trotz aller Verboten heimlich ins Nachbardorf gegangen war und als Keimträger des Schwarzen Todes über den langen Damm in sein Heimatdorf zurückkehren will. Die heulende Meute der rebellierenden Dorfbewohner vollstreckt an Borghardt das unausweichliche Todesurteil. Und doch, selbst dieses Opfer bleibt vergebens. Man bringt die Leiche des Stiefsohns vom Damm ins Dorf hinein und mit ihr die Pest. Die Einsicht käme, wenn überhaupt, zu spät. Und wir lernen, wie sehr es damals wie heute und in allen Zeiten an jedem einzelnen liegt, ob die Pest kommt oder nicht.

Produktions- und Sendedaten
- Radio Bremen
- Erstsendung: 23.02.1953 | Radio Bremen Hansawelle | 47'10
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