Originalhörspiel

Autor/Autorin: Hoboiken

Im Vielfachumschalter Nr. 1001-1150

Ein Sendespiel

Regie: Hans Peter Schmiedel

"Der erfolgreiche Dramatiker Dr. Hochhagen lernte auf seinen Sommerferien in Italien eine charmante Frau kennen, d. h. nur von weitem. Aber das Bild verfolgte ihn auch in der Heimat, und es lässt ihm keine Ruhe, bis er die genaue Adresse jener Dame festgestellt hat. Der Zufall will es, dass Hochhagen in derselben Stadt, wo die Dame mit dem Generaldirektor eines großen Werkes verheiratet ist, eines Tages die Uraufführung eines Stückes im Theater erwartet. Trägerin der Titelrolle dieses Stückes ist die charmante Schauspielerin Frl. Garbon, die sterblich in ihren Dichter (seit Jahren) verliebt ist. Hochhagen ist bereits am frühen Morgen in jener Stadt eingetroffen, hat ein Hotel bezogen, versucht einen telephonischen Anschluss mit seiner angebeteten Elfriede (der Bekanntschaft aus Italien), das Gespräch kommt zustande, ohne positiven Erfolg für den verliebten Dichter. Inzwischen hat auch Frl. Garbon telephonische Verbindung mit ihrem Dramatiker gesucht und gefunden. Er weicht aus und will die Schauspielerin erst nach der Vorstellung sprechen. Empörung der Künstlerin, sie sagt ab. Die Uraufführung ist in Gefahr. Während dieser Komplikationen entwickeln sich über 100 Gespräche der verschiedensten Art und alle passieren den Vielfachumschalter. Die Haupthandlung dieser Liebesgeschichte zwischen dem Dichter und seiner flüchtigen Bekanntschaft, sowie der Schauspielerin Garbon, ziehen sich wie ein roter Faden durch die vielgestaltige Handlung einer großstädtischen Telephonage. Die amüsante Lösung der Konflikte soll nicht vorher verraten werden." (N. N.: Der Deutsche Rundfunk, 8. Jg., Heft 3, 17.1.1930, S. 18)

"Eine amüsante Folge von Hörbildern aus dem heutigen Großstadtleben; zugleich eine neuartige, streng funkgemäße Form des Sendespiels. Als Vielfach-Umschalter bezeichnet man im Fernsprechbetrieb der nicht-automatischen Ämter diejenigen technischen Vorrichtungen, durch welche die Verbindungen der Teilnehmer untereinander hergestellt werden. Der Grundgedanke des Hörspiels ist nun der folgende: Der Sender wird zeitweise mit der Abhörstelle des im Titel genannten Vielfach-Umschalters verbunden. 'Wenn Ihre Ohren gut sind, und Ihre Kombinationsgabe Sie nicht im Stich lässt, dann werden Sie aus dem Gewirr einer alltäglichen Telephonsinfonie vielleicht Zusammenhänge von Einzelschicksalen der unbekannten, unsichtbaren Sprecher herausfinden.' So heißt es in der Einleitungrede des Ansagers. Da sieht zunächst ganz nach jener streng 'veristischen' Wirklichkeitsschilderung aus, die wir sonst fast nur von den 'Reportage-Hörspielen' kennen. Nun könnte sich aber die Haupthandlung - mit ihrem verzwickten, hübsch erdachten Gefüge von Liebesbeziehungen, in denen Männlein und Weiblein tragikomisch aneinander vorbeilieben - nicht innerhalb der knappen Spielzeit eines solchen Stückes entwickeln. Es sind daher symbolische, zugleich als Stimmungsbilder aufzufassende 'Zwischentakte' eingefügt, in denen wir das Stimmengewirr in der Zentrale vernehmen - ähnlich etwa wie den Chor der Sendestationen in 'Funk jagt den Funk' (aufgeführt am 11. Januar). Dazu kommen realistische 'Zwischenspiele': Bruchstücke aus den verschiedenartigen Gesprächen ohne Beziehung zur Haupthandlung - etwa eine Hysterische, die ihrem Arzt vorjammert, ein nervös erregter Mann, der nach der Hebamme ruft, und vieles andere. Das alles gibt ein anschauliches, 'montage'-artig aufgebautes Klangbild des Großstadtlebens: gleichzeitig deutet es die Pausen an, in denen dem Hörer der Gang der Haupthandlung entzogen ist. Diese wollen wir zum Schluss noch kurz betrachten. Wie gesagt: Es handelt sich um ein Kettengefüge von Liebe ohne Gegenliebe, eine Art Schnitzlerscher Reigen mit negativem Vorzeichen ins Harmlose umgewendet. Am Abend soll die Komödie 'Die Kette' von Hochhagen aufgeführt werden. Der Dichter wird von der Hauptdarstellerin Garbon geliebt, er interessiert sich aber für die schwermütig-scheue Elfriede, die Gattin des Generaldirektors Stüwer. Sie hat auch eine gewisse Neigung für Hochhagen, will aber ihrem Gatten treu bleiben - bis sie von dessen eifersüchtiger Sekretärin, Frl. Mayer, erfährt, dass er eine Geliebte hat. Elfriedes lebensfrohe Freundin, Frau Susi von Schmidt, vermittelt das Zusammentreffen zwischen ihr und Hochhagen, sie bringt auf das Drängen des verängstigten Theaterdirektors (eine gut gesehene charakterkomische Figur) die Garbon zur Vernunft, die aus eifersüchtiger Wut nicht spielen will - aber das Ganze klingt doch recht melancholisch aus. Der Dialog ist frisch und lebendig, die Charakterisierung der Hauptfiguren gut gelungen. Die gesamte Handlung vollzieht sich im Verlauf eines Tages." (W. Z.: "Hoboiken: 'Im Vielfachschalter Nr. 1001-1150', in: Die Mirag, Nr. 3, 18.1.1930, S. 11) 

Hörspiel historisch (vor 1933) - © DRA/Hanni Forrer

Produktions- und Sendedaten

  • MIRAG - Mitteldeutsche Rundfunk AG (Leipzig) 1930
  • Erstsendung: 23.01.1930 | 21:00 Uhr | ca. 75'00

Livesendung ohne Aufzeichnung

Grundlage der Datenerhebung: Der Deutsche Rundfunk (Programmzeitschrift); Die Mirag (Programmzeitschrift)

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