Originalhörspiel, Ars acustica
Autor/Autorin:
Dieter Schnebel
Störung für Radioklänge
Hörfunk II
Regie: Dieter Schnebel
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Horst Beilke
Im Sommer 1972 produzierte der Komponist Dieter Schnebel im Südwestfunk seine zweite Radiokomposition "Störung". Dazu Dieter Schnebel: "Wir werden fortgesetzt gestört - sind empfindlich, überempfindlich, manchmal auch unterempfindlich, und dann lassen wir uns nicht drausbringen. Vieles sind wir einfach gewohnt: unseren Tagesablauf, unsere Umgebung. Was da abweicht, stört. Wie wir unser eigenes Programm haben, gibt es überall um uns herum Programme - bei unserer Arbeit, im Verkehr, in den Geschäften, in der Politik, in der Kultur. Teils übernehmen wie diese Programme freiwillig, teils gezwungen, teils ohne daß wir es merken: wir werden programmiert. Die Gewöhnung erzeugt Gewohnheit. Wenn das Gewohnte nicht seinen gewöhnlichen Ablauf nimmt, gar aussetzt, empfinden wir Störung - obschon es dann oft erst wirklich lebendig wird: sei es, weil ein ödes Gleichmaß unterbrochen wird, sei es, weil die ungewohnte Situation wach macht, sei es, weil die Bemühungen, die neue Lage neu zu bewältigen, einen Wirbel erzeugen, der uns erfaßt, indem wir tätig werden oder uns wenigstens anregen lassen. 'Störung' hat mit derlei Phänomenen zu tun, allerdings nur in einem begrenzten Sektor: dem der Kultur, und auch da nur mit solcher, die durchs Radio verbreitet wird. Es ist eine Störung für 'Radioklänge'. Allerdings gibt es da noch andere Störungen. Wenn in einer Runde von Menschen eine gute Atmosphäre herrscht und dann jemand dazukommt, verstummen plötzlich Gespräche, wird einer gereizt, beginnt es gewissermaßen zu knistern. Ähnliches geschieht im elektrischen Feld der Radiowellen - und wirkt sich aus auf unserern Empfang. Wir sprechen dann von atmosphärischen Störungen."

Produktions- und Sendedaten
- Südwestfunk 1972
- Erstsendung: 22.02.1973 | 23'45