Hörspielbearbeitung

Autor/Autorin: Etty Hillesum

ETTY (2. Teil)

Hörspiel nach den Tagebüchern von Etty Hillesum

Vorlage: Ich will die Chronistin dieser Zeit werden (aus: Sämtliche Tagebücher und Briefe 1941 – 1943) (Tagebücher, niederländisch)
Übersetzung: Christina Siever, Simone Schroth
Bearbeitung (Wort): Elisabeth Weilenmann
Komposition: Matthias Jakisic
Redaktion: Kurt Reissnegger, Cordula Huth
Technische Realisierung: Elmar Peinelt, Manuel Radinger, Simon Dünser
Regieassistenz: Susanne Hofinger

Regie: Elisabeth Weilenmann, Elisabeth Weilenmann

  • Weitere Mitwirkende

    Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
    Lou StrengerEtty
    Roland KochSpier
    Nils ArztmannJan
    Karl MarkovicsHan
    Julius Béla DörnerJunger Mann
    Tilman TuppyMischa
    Marlena ReinwaldMädchen 1
    Marie Theres MüllerMädchen 2
    Markus MeyerSprecher
    Sabine MuhrMutter/Frau mit Wäsche
    Johannes SilberschneiderVater
    Sonstige MitwirkendeFunktion
    Stefanie ZussnerProduktion/Besetzung

    Musik: Matthias Jakisic (Violine; Klavier)

Im zweiten Teil des Hörspielzweiteilers beschreibt die niederländische Jüdin Etty Hillesum die zunehmenden Restriktionen und Verfolgungen gegen jüdische Menschen, und sie schreibt offen über das tägliche Leben, das Unrecht und ihre eigenen Gefühle dazu. Parallel zu ihrer Außensituation beginnt sie eine intensive Reflexion über ihr Innenleben: ihre Ängste, ihr Verlangen, ihre Unruhe, ihr Suchen nach Einfachheit, Klarheit und Achtsamkeit. Sie verweigert den Opferstatus, sie möchte aktiv leben und gestalten - trotz all der äußeren Umstände. „Die Schlechtigkeit der anderen steckt auch in uns. Und ich sehe keine andere Lösung, als sich auf sein eigenes Zentrum zu besinnen und dort all diese Fäulnis auszurotten. ... Wir können in der Außenwelt nichts verbessern, das wir nicht zuerst in uns selbst verbessert haben“, schreibt Etty Hillesum am 19. Februar 1942 in ihr Tagebuch. Im Sommer desselben Jahres nimmt sie eine Stelle im Durchgangslager Westerbork an, wo sie für den Amsterdamer Judenrat in der sozialen Versorgung der Deportierten arbeitet. Sie erlebt dort die Verzweiflung, den Schmerz und die Hoffnungslosigkeit der Menschen - und versucht, inmitten dieser Hölle eine innere Haltung der Menschlichkeit zu bewahren. Ihre Tagebücher und Briefe dokumentieren beides: das äußere Grauen und den inneren Widerstand. Etty schreibt über das Einüben von Mitgefühl, Verantwortung und innerer Freiheit: „Man kann den Krieg und all seine Auswüchse nur bekämpfen, indem man in sich selbst täglich diese Liebe befreit und ihr eine Chance gibt zu leben.“ Sie weiß, dass dies kein naiver Glaube ist: „Das bedeutet nicht, dass ich niemals traurig bin, dass ich niemals aufbegehre. Muß man der Weltentraurigkeit nicht dann und wann eine kleine Unterkunft verleihen?“ Am 7. September 1943 wird Etty Hillesum gemeinsam mit ihren Eltern und Brüdern nach Auschwitz deportiert. Das Rote Kreuz legt ihr Todesdatum auf den 30. November 1943. Ihre Tagebücher übergab sie zuvor einer Freundin mit der Bitte um Veröffentlichung. Auf ihrer letzten Notiz, die sie am 7. September 1943 aus einem fahrenden Güterwaggon geworfen hatte, stand: „Wir haben dieses Lager singend verlassen, Vater und Mutter sehr tapfer und ruhig, Mischa ebenso. Wir werden drei Tage unterwegs sein. Danke, dass ihr euch so lieb um uns gekümmert habet. Auf Wiedersehen von uns Vieren. Etty.“

Weitere Informationen
Elisabeth Weilenmann, geboren 1982 in Niederösterreich, begann schon im Studium, Hörspiele und Radiofeatures zu schreiben und zu inszenieren. Seit 20 Jahren arbeitet sie für die ARD, den DLF, SRF und den ORF. Sie unterrichtet an mehreren Universitäten (MDW, Max Reinhardtseminar, JKU Linz) und wurde für ihre Arbeiten mehrfach international ausgezeichnet u. a. mit dem Hörspielpreis der Kritik, dem Prix Europa oder der Goldstatue des New York Radio Festivals.

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel

Produktions- und Sendedaten

  • Österreichischer Rundfunk / Hessischer Rundfunk 2025
  • Erstsendung: 26.12.2025 | Ö1 | 14:00 Uhr | 55'16
  • Deutsche Erstsendung: 25.05.2026 | hr2-kultur | 14:04 Uhr | 55'16

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