Originalhörspiel

Autor/Autorin: Ingeborg Bachmann

Der gute Gott von Manhattan

Bearbeitung (Wort): Elisabeth Weilenmann
Komposition: Anna Bauer
Regieassistenz: Alexandra Wimmer

Regie: Elisabeth Weilenmann

  • Weitere Mitwirkende

    Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
    Marie-Luise StockingerJennifer
    Maximilian Max SimonischekJan
    Markus HeringDer gute Gott
    Roland KochRichter
    Alina FritschBilly
    Lukas WatzlFrankie
    Alois FrankWärter
    Markus MeyerGerichtsdiener/Stimme
    Katja KolmBettlerin/Stimme
    Maria HappelFrau/Stimme
    Nils ArztmannPortier
    Martin ZaunerBarmann
    Oskar WeilenmannStimme
    Sonstige MitwirkendeFunktion
    Anna KuncioTongestaltung
    Simon DünserSchnitt

Das Stück beginnt mit einem Prozess: Der "gute Gott" steht vor Gericht, angeklagt, eine junge Frau durch einen Bombenanschlag getötet zu haben. Die Tat ist unstrittig. Doch im Zentrum steht eine andere Frage: War dieser Mord notwendig, um die Ordnung der Welt zu schützen? In Rückblenden entfaltet sich die Begegnung zwischen Jennifer und Jan. Es ist eine flüchtige, fast zufällige Bekanntschaft, die sich in wenigen Tagen zu einer existenziellen Grenzerfahrung verdichtet. Ihre Liebe entzieht sich jeder Konvention, jeder Berechenbarkeit. Sie wird absolut und damit gefährlich. Denn wo Liebe in dieser Radikalität auftritt, so behauptet der "gute Gott", gerät die Welt aus den Fugen. Bachmann entwirft ein poetisches, verstörendes Gedankenexperiment über die Unvereinbarkeit von individueller Leidenschaft und gesellschaftlicher Ordnung. Ihre Sprache oszilliert zwischen Zärtlichkeit und Gewalt, zwischen zarter Intimität und apokalyptischer Vision. Das Private wird politisch, die Liebe selbst erscheint als subversive Kraft. Die neue Bearbeitung und Inszenierung von Elisabeth Weilenmann holt Bachmanns preisgekrönten Text akustisch in die Gegenwart - durch die Adaptierung der Modulation und die Neugestaltung der akustischen Dimension in Zusammenarbeit mit der Komponistin Anna Bauer. Aber auch inhaltlich erscheint Bachmanns Text hochaktuell, stellt er doch die Frage: wieviel Intensität verträgt eine Gesellschaft? Welche Formen von Nähe sind erlaubt und welche werden sanktioniert? Und warum sind es zumeist die Frauen, die den höchsten Preis zahlen?

Weitere Informationen
Ingeborg Bachmann (1926–1973) war 1951 bis 1953 Rundfunkredakteurin in Wien und lebte danach als freie Schriftstellerin in Italien, München und Zürich. Sie schrieb Lyrik, Prosa, Libretti, Essays, Hörspiele und arbeitete als Übersetzerin. Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen gehört der Georg-Büchner-Preis (1964).

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel

Produktions- und Sendedaten

  • Österreichischer Rundfunk / Deutschlandfunk (Deutschlandradio) 2026
  • Erstsendung: 24.06.2026 | Deutschlandfunk Kultur | 22:05 Uhr | 54'40

Rezensionen (Auswahl)

  • Stefan Fischer: "In der Hitze der Nacht", in: Süddeutsche online vom 25.06.2026.

Infos zum Hörangebot/FAQ