Hörspielbearbeitung
Autor/Autorin:
Alice James
Alice James
Vorlage: The diary of Alice James (italienisch)
Übersetzung: Daniele Dell'Agli
Bearbeitung (Wort): Claudio Novelli
Technische Realisierung: Günter Beckmann, Jutta Sidden
Regieassistenz: Annette Jainski
Regie: Ursula Weck
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Hille Darjes Alice Ulrich Matschoss Vater Wanja Mues Junge Robert Düssler William Angelika Thomas Annie Angelika Wockert Pflegerin Celia Steinbach Gouvernante
Alice James, Schwester von Henry und William James, ist die Protagonistin dieses Hörspiels. Im Unterschied zu ihren Brüdern, von denen der eine als Schriftsteller, der andere als ein Begründer der modernen Psychologie Berühmtheit erlangten, ist Alice James bislang wenig Aufmerksamkeit zuteil geworden. Auf der Grundlage authentischer, autobiographischer Zeugnisse läßt der Autor Claudio Novelli ihre Stimme in der Form eines verdichteten Monologes vernehmbar werden. Alice James erscheint dabei als mitleidlossezierende, selbstironische Beobachterin ihres eigenen Leidens, das sie zu Lebzeiten zwingt, ein von der Außenwelt beinah hermetisch abgeriegeltes Dasein zu führen. Durch eine - möglicherweise hysterisch bedingte - Paralyse der Beine ist sie an den Rollstuhl gefesselt, bis sie 1892 einem tödlichen Tumorleiden erliegt. Als einen "furiosen Kampf zwischen Körper und Willen" bei dem der Körper zuletzt immer als Sieger hervorgeht, erfährt sie ihren Zustand. In dieser Situation eines "makaber in die Länge gezogenen Sterbens" sucht sie gleichwohl nach ihrem eigenen Ausdruck, einer Rechtfertigung ihrer Existenz, die ihr im Hinblick auf ihre berühmten Brüder so fragwürdig erscheint. Sie gelangt schließlich zu der Formel, ihr Leben als eine "Abwesenheit" zu definieren, "die allein mir gehört". Ihr Leiden als "das einzig wahre Wissen vom Leben" stellt sie am Ende den Kunstwerken gegenüber, die ihr als "Spiegel unserer Angst" erscheinen.

Produktions- und Sendedaten
- Norddeutscher Rundfunk 1988
- Erstsendung: 18.05.1988 | NDR 1 | 58'43