ARD-Hörspieldatenbank

Hörspiel



Botho Strauß

Jeffers Akt


Komposition: Nicolaus Richter de Vroe

Technische Realisierung: René Göckel, Elisabeth Berbig

Regieassistenz: Gitta Lehnen


Regie: Heinz Hostnig

"Robinson Jeffers, Dichter ... Für Jahrhunderte wird sein Geist über diesem Haus kreisen, über dieses Land und den Ozean blicken. Seine Verse werden kommen und gehen im Einklang mit dem Schlaf der See, im Gleichgewicht mit dem Fels; sein Auge wird hoch oben, vom Falken mitgenommen, kreisen und spähen. Er hat die Steine behauen, die er brauchte für unser Haus. Das steinerne Haus. Und für den Turm die Granitblöcke vom Strand heraufgeschafft und ihn selber gebaut. Mann, Frau, Haus. Meer, Vers, Stein. Söhne, Rasen, Zeit. Stärke, Güte, Raben". (Botho Strauß über Rohinson Jeffers (1887­1962), Dichter der amerikanischen Westküste.) Mit seiner Frau Una verließ er in jungen Jahren die Städte und siedelte abgewandt auf einer Klippe vor dem Pazifischen Ozean. Berühmt wurden seine frühen Erzählgedichte, in denen Menschen seiner Landschaft, Fischer und Farmerstöchter, Stranderemiten und Kriegsheimkehrer auf Blut- und Wahnwegen irren, als hätte es die dunkelsten Griechen an die Küste von Carmel verschlagen. Drei szenische Dichtungen bezeugen das neben O'Neill eigen mächtigste Erbe antiker Tragödie im Amerika des 20. Jahrhunderts: eine Medea, eine Phädra, eine Orestie. Der intellektuellen Moderne des New Criticism galt er als der verächtlichste Poet des Landes. In einer Zeit der feinsten Chromatik benutzte er nur Ganztonschritte. Whitman umarmte alle, Jeffers stieß sie alle ab." (Botho Strauß) Mit diesem poetischen Text über das Schicksal eines Dichters der Poesie, der Verachtung und der Liebe hat sich Botho Strauß ohne den Umweg über das Theater dem Medium Radio anvertraut.

Botho Strauß, geboren 1944 in Naumburg an der Saale, studierte Germanistik, Theatergeschichte und Soziologie in Köln und München, arbeitete von 1967 bis 1970 als Redakteur und Theaterkritiker, danach als dramaturgischer Mitarbeiter an der Berliner Schaubühne am Halleschen Ufer. Er lebt als Schriftsteller in Berlin. Preise: Hannoverscher Dramatikerpreis 1974; Förderpreis des Schiller-Preises des Landes Baden-Württemberg 1977; Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 1981; Mülheimer Dramatikerpreis 1982. Zu seinen bekanntesten Werken gehören u.a.: "Schützenehre" Erzählung, Düsseldorf 1975; "Marlenes Schwester" Zwei Erzählungen, München 1975; "Die Widmung" Erzählung, München 1977; "Groß und klein" Szenen, München 1978; "Rumor" Roman, München 1980; "Der junge Mann" Roman, München 1984; "Paare Passanten", München 1981; "Der Park" Schauspiel, München 1983; "Bekannte Gesichter, gemischte Gefühle" (1975); "Trilogie des Wiedersehens" (1977); "Groß und klein" (1978); "Kalldewey Farce" (1981); "Der Park" (1984); "Die Fremdenführerin" (1986); "Das Zimmer ein Raum" (1989).

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Mitwirkende

Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
Rolf BoysenJeffers
Ilse NeubauerUna


 

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Westdeutscher Rundfunk / Schweizer Radio DRS 1989

Erstsendung: 10.12.1989 | 50'48


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