ARD-Hörspieldatenbank

Originalhörspiel



Erich Kuby

Der verschwundene Graf



Regie: Ulrich Lauterbach

Das Stück spielt in Österreich um 1947, das Land ist noch in Besatzungszonen aufgeteilt. Der schwedische Gelehrte Graf Palmström hält, von der österreichischen Regierung eingeladen, in Graz einen Vortrag über sein Fachgebiet, das Erdöl. Politisch höchst geschickt, bitten ihn daraufhin die Sowjets, diesen Vortrag in ihrem Hauptquartier im nahen Baden zu wiederholen. Am Zonenübergang Semmering wird er aus dem Zug geholt, um zu seiner Bequemlichkeit mit einem Auto weiterbefördert zu werden. Der auffällige Vorgang wird, infolge einiger aktueller Fälle politischer Entführung, mißdeutet, der Graf gilt in Österreich als verschwunden. Blende: Gästehotel des Sowjet-Hauptquartiers. Die Dolmetscherin, ein weiblicher Armeeleutnant namens Lisa Oftschinikow, macht dem Ankömmling die befremdliche Eröffnung, sein Vortrag könne wegen Dienstverhinderung des Generals erst in einigen Tagen stattfinden. Für die Zwischenzeit bietet sie ihm an, ihn zur Besichtigung der sonst streng geheimen Ölbohrungen nach Zisterndorf zu fahren. Die Reise bedeutet für Leutnant Lisa wie für den Grafen ein paar Tage Freiheit von jeder offiziellen Verpflichtung. Sie führt zu einer jähen Liebesbegegnung, die zugleich für jeden der beiden Menschen die faszinierende Begegnung mit einer gänzlich unbekannten Welt ist. In einem Wiener Hotelzimmer leben sie unter falschen Namen wie auf einer treibenden Insel des Glücks zwischen Ost und West, fernab von aller Realität - nur dann und wann noch von flüchtigem Gewölk leisen Mißtrauens überschattet. Plötzlich aber kommt das angebliche Verschwinden des Grafen durch eine Indiskretion in die internationale Presse. Lisa, die sowieso ihr Selbst völlig aufgegeben und dem Grafen verraten hat, daß man bei seiner Einladung weniger auf seinen Vortrag als auf ein wichtiges Gutachten spekulierte, will die wenigen für sie unvorstellbar köstlichen Tage bis zum Erwachen zu Ende leben, Graf Palmström aber fühlt sich menschlich verpflichtet, seine Frau in Schweden, von der Lisa erst jetzt erfährt, aus ihren Ängsten wegen der Abgängigkeitsmeldung zu befreien. In den wenigen gemeinsamen Stunden, die ihnen dadurch noch bleiben, sucht der Graf einen vornehmen Kompromiß; zum Abschied schenkt er Lisa ein Halstuch. Dann absolviert er, konventionell bedankt, seinen Vortrag in Baden. Als er dort nach Lisa fragt, geht er - mit bester Absicht freilich - so weit, sie noch mehr zu kompromittieren: er besteht darauf, sie noch einmal zu sehen. Doch er stößt auf eine Mauer eisiger Ablehnung. Im Wagen, der ihn zur Station Semmering zurückfahrt, findet er sein Abschiedsgeschenk wieder, das Halstuch. (Aus Reclams Hörspielführer)

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Mitwirkende

Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
Hans SöhnkerGraf Palmström
Irmgard FörstLisa Oftschinikoff
Wolfgang von RotbergRuss. Oberstleutnant
Charly WimmerPolizeipräsident
Walter MorbitzerHofrat Drexel
Margarete MelzerBaronin Waechter
Ilo von JankoKommissar Berg
Gottfried HosterJournalist Spieß
Waldemar Leitgeb
Otto Stern
Fritz Saalfeld
Lars Doddenhof
Arno Assmann
Georg Bahmann
Walter Pfeil
Fritz Jost
Martha Marbo
Victor Thiel-Wolf
Franz Pillsack
Karlheinz Windhorst
Adelheid Faerber
Eugenie Hinze


 

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Hessischer Rundfunk 1953

Erstsendung: 19.02.1953 | 75'00


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