Originalhörspiel
Autor/Autorin:
Anders Bodelsen
Die Reise zum Ätna
Übersetzt aus dem Dänischen
Übersetzung: Marianne Weno
Bearbeitung (Wort): Christoph Dietrich
Technische Realisierung: Burghard Genz, Dietmar Hagen, Carsten Brüse, Holger Kliemchen
Regie: Christoph Dietrich
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Inge Keller Betty Gudrun Ritter Sonja Christian Berkel Arzt Hermann Treusch Martin Uta Hallant Ella Thomas Wolff Villy Dagmar Sitte Andrea Tommaso Cacciapuoti Tonio Jerry Gerber Speaker
Im Sommer 1963, gerade in den Tagen, als Kennedy erschossen wurde, waren Betty und Sigurd, ihr Mann, auf Sizilien gewesen. Am letzten Tag wollte Sigurd unbedingt noch auf den Ätna. Aber Betty hatte keine Lust und ließ ihm allein zur Spitze des Vulkans steigen. Als er wiederkam, erzählte er ihr, wie er oben durch die Lava hindurch die Wärme gespürt habe, die dort aufstieg, die Wärme aus dem Inneren der Erde. Schon in diesem Augenblick hatte Betty bereut, nicht mitgegangen zu sein. - Seitdem sind viele Jahre vergangen. Sigurd ist gestorben. Betty hat eine Hüftoperation hinter sich. Die Rehabilitation macht keine Fortschritte. Betty wirkt verwirrt, sie sieht und hört nicht mehr richtig. Zumindest behauptet sie das. Deshalb, sagt sie, sei es jetzt höchste Zeit, das größte Versäumnis ihres Lebens wettzumachen. Sie will hinauf auf den Ätna. - Ihrem Sohn Martin, ihrer Tochter Ella, ihrer Enkeltochter Andrea und dem Rest der Familie fällt es schwer, ihr diesen einzigen und letzten Wunsch ausreden zu müssen. Aber müssen sie ihn ihr überhaupt ausreden? Mit Geräuschen, mit Lichtbildern, mit Verkleidung und Rollenspiel suggerieren sie ihr, im Zug, auf dem Markusplatz, auf der Fähre über die Meerenge von Messina zu sein. Das sind halsbrecherische Improvisationen, und sehr perfekt klappt die Täuschung nicht. Aber für Betty ist es eine wunderbare Reise. Sicher, vielleicht ist es ja nur der Toaster, von dem die Wärme zu ihren Händen steigt. Aber vielleicht ist es auch der Rest Wärme von der Schöpfung her. Sie hat sie jedenfalls am Ende ihres Lebens noch einmal gespürt.
Weitere Informationen
Anders Bodelsen, geboren 1937, nach Studium der Wirtschaftswissenschaft und Literatur Film- und Fernsehkritiker bei "Politiken" und "Information" in Kopenhagen, heute freier Schriftsteller. Seit seinem Debüt 1959 mit dem Roman "De lyse naetters tid" und seinem Durchbruch 1969 mit dem mehrfach verfilmten Roman "Taenk på et tal" hat er neben Drehbüchern, Fernsehspielen und Theaterstücken über dreißig Bücher veröffentlicht. Für sein erstes Hörspiel "A Hard Days Night" erhielt er 1967 den "Prix Italia". Auf deutsch wurden bereits die Hörspiele "A Hard Days Night" (HR 1968), "Professor Mancinis Geheimnis" (HR 1972), "CB-Funk" (DRS/WDR 1984 und Rundfunk der DDR 1990 unter dem Titel "Citizen Band"), "Verdunklung" (SDR 1990) und "Musik zur Nacht" (WDR 1993) produziert.
Produktions- und Sendedaten
- Mitteldeutscher Rundfunk / Westdeutscher Rundfunk 1998
- Erstsendung: 14.04.1998 | MDR KULTUR | 52'26