ARD-Hörspieldatenbank

Hörspielbearbeitung



Johann Wolfgang von Goethe

Pandora


Vorlage: Pandora (Schauspiel)

Bearbeitung (Wort): Oswald Döpke


Regie: Oswald Döpke

Goethes "Pandora" ist unseres Wissens in diesem Jahrhundert - von Aufführungen im geschlossenen Kreis abgesehen - nur einmal auf einem regulären Theaterspielplan erschienen. Das mag wohl daran gelegen haben, daß Goethe nicht zu der beabsichtigten Fortsetzung gekommen ist, als auch an den besonderen Ansprüchen, die gerade diese Dichtung an die Zuschauer stellt. Das Werk ist schon zu Goethes Lebzeiten oft mißdeutet worden, und Goethe war sich der Schwierigkeiten bewußt, die das Verständnis seiner "Pandora" bereiten würde. Zu Frau von Grotthus äußert er, es sei "ein etwas abstruses Werkchen, das durch mündlichen Vortrag gehoben werden müsse". Diese Bemerkung Goethes legitimiert unseren Versuch, das Werk im Hörspielprogramm vorzustellen, denn auch wir sind der Meinung, daß der kostbare Text einem tieferen Verständnis begegnet, wenn er aller äußeren Reize, zumal der optischen eines Festspiels, entkleidet wird. Der Sendung des Werkes haben wir eine Einführung vorangestellt, die auch eine Deutung des Schemas der von Goethe geplanten Fortsetzung der "Pandora" enthält, um die Gesamtidee der Dichtung deutlich zu machen.

Das lebendige Interesse für die althellenische Mythenwelt und der Wunsch, diese Mythen neu zu gestalten, hatten Goethe in seiner Jugend zu den Dramen "Prometheus" und "Iphigenie" angeregt; der zweite Teil des "Faust", in dem er die gleiche Aufgabe in umfassender Weise löste, gehört fast ganz seinem letzten Lebensjahrzehnt an. Zwischen diesen Dichtungen steht ein Drama, in dem der Dichter versucht hat, auf dem Fundament der griechischen Sage, ein Bild der gesamten Kulturentwicklung des Menschheit zu zeichnen. Es ist die unvollendet gebliebene "Pandora", die in den Jahren 1807 bis 1809 entstanden ist.

Die Idee des Werkes dürfte sich mit einiger Sicherheit bestimmen lassen. Zieht man die geplante Fortsetzung, die nur in einem Schema vorliegt, mit in Betracht, so ist es die symbolische Darstellung der menschlichen Kulturentwicklung von ihren Anfängen bis zu ihrer Vollendung; freilich nicht in dem Sinn, daß der Dichter etwa die wichtigsten historischen Ereignisse dieses Prozesses hätte vorführen wollen. Wenn in der Gestalt des Epimetheus das Streben nach dem Schönen veranschaulicht wird, wenn die Kypsele, das Faß der Pandora, Religion, Kunst und Wissenschaft zum Inhalt hat, so will Goethe zeigen, wie die Keime zu allem, worin der Mensch die Aufgabe seines Lebens sehen kann, bereits in seiner Natur, wenn auch verborgen, vorhanden sind. Prometheus und Epimetheus sind die Repräsentanten jener zwiefachen Lebensanschauung, des Realismus und des Idealismus; aus diesem Gegensatz, der in ihren Kindern aufgehoben wird, entwickelt sich alles weitere. 

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Mitwirkende

Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
Ullrich HauptPrometheus
Ernst GinsbergEpimetheus
Peter BroglePhileros
Hilde MikuliczElpore
Maria BeckerEpimeleia
Aglaja SchmidEos
Otto David
Hans Franken
Hubert Michael Kiurina
Kurt Huemer
Hans Schellbach
Horst Fitzthum

Sonstige MitwirkendeFunktion
Karl BlühmSprecher der Regiebemerkungen


 

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Radio Bremen / Österreichischer Rundfunk / Sender Freies Berlin 1959

Erstsendung: 04.12.1959 | 60'32


VERÖFFENTLICHUNGEN

  • CD-Edition: Random House Audio 2011 (in der Sammlung "Johann Wolfgang Goethe - Werke. Eine Auswahl auf 40 CDs")

Darstellung: