ARD-Hörspieldatenbank

Hörspielbearbeitung



Robert Musil

Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer


Vorlage: Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer (Posse)

Bearbeitung (Wort): Ingeborg Bachmann

Technische Realisierung: Reinhart Henke, Hannelore Tischler

Regieassistenz: Fritz Kraus


Regie: Oswald Döpke

Alpha, die in Wirklichkeit Kathi heißt, versammelt um sich einen Kreis von Verehrern, einflussreiche Persönlichkeiten aller möglichen Richtungen. Sie wirft jedem von ihnen vor, er sei ein abgerichteter Spezialist. Sie hält von ihnen allen Distanz. Vinzenz aber, der Jugendfreund, den sie jahrelang nicht mehr sah, ist gegenwärtig geblieben. Weil er nicht festgelegt ist auf ein Spezialistentum, weil er versucht, ein ganzer, unabgerichteter Mensch zu sein und vor allem, weil er Phantasie besitzt - wenn aus ihm auch nur ein kleiner Betrüger geworden ist. Deshalb verabschiedet sich Vinzenz, nachdem eine Spekulation fehlschlug, die eine gemeinsame Basis abgeben sollte, mit den Worten: "Wir sind einander doch zu ähnlich." (Historischer Pressetext)

Weltwirtschaftskrise 1923: Alpha, kann nichts erschrecken; sie hält sich, selbstbewusst promiskuitiv, ihren Salon mit Freiern, die sie selbstverständlich finanziell unterstützen. Auf die Dauer langweilt es sie, sind diese doch alle auf ihr Spezialistentum reduzierte Abziehbilder eines erfolgreichen Pianisten, Staatsrats, Gelehrten oder Filius eines Industriellen. Den Kunstmaler Doktor Apulejus scheren die erotischen Aventüren seiner Frau wenig, seine Sehnsucht gilt dem Hermaphroditen. Und dann erscheint wie ein Deus ex machina nach Jahren der Abwesenheit ihr Jugendfreund Vinzenz hinter einem Sofa. Als charmanter Spieler im Reiche der Phantasie, als Möglichkeitsmensch hat er sich von der Wirklichkeit nicht funktionalisieren lassen. Aber auch so einer braucht Geld. Alpha erliegt ihm aufs Neue, will diesen Mann ohne Eigenschaften heiraten, was ihn nicht hindert, sie zu betrügen. Das ruft die Herrenrunde auf den Plan, vor dem Hallodri zu warnen und ihr die Fortsetzung ihrer Ehe mit Apulejus zu empfehlen. Alles möge doch beim Alten bleiben. Per Telefon gibt Alpha aber Baron von Usedom ihr Jawort. Ingeborg Bachmann hat Musils Posse von 1923 zu einer temporeichen Gesellschaftstravestie um Identität, Sex und Glück verdichtet – als ob es eine Screwball Comedy aus Hollywood im Geiste George Cukors wäre, mit einem Feuerwerk an so klugen wie bösen Bonmots. (Pressetext des SWR anlässlich der Wiederholungsausstrahlung 2018)

Robert Musil (1880–1942), geboren in Genf, schrieb Prosa, Theaterstücke und Essays. Der unvollendet gebliebene Roman »Der Mann ohne Eigenschaften« gilt als eines der Meisterwerke der literarischen Moderne. (Biographische Notiz 2018)

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Mitwirkende

Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
Charlotte WeningerAlpha
Klaus SchwarzkopfVinzenz
Hermann SchombergBärli, Großkaufmann
Paul HoffmannDoktor Apulejus
Hans Günter von KlödenGelehrte
Giselher SchweitzerDer Politiker
Erich KeddyMusiker
Ernst RottluffDer Reformer
Herbert LeonhardJunger Mann


 

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Radio Bremen / Süddeutscher Rundfunk 1959

Erstsendung: 13.02.1959 | 43'45


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