ARD-Hörspieldatenbank


Ars acustica


Studio Akustische Kunst


Marcel Proust

Memory Start. Kristall der Erinnerung (2. Teil)


Vorlage: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Romanzyklus, französisch)

Übersetzung: Heribert Becker

Komposition: Pierre Henry


Realisation: Pierre Henry

'A la recherche du temps perdu/Auf der Suche nach der verlorenen Zeit' von Marcel Proust, eine für die Literatur des 20. Jahrhunderts wegweisende poetische Erinnerungsschrift ist Grundlage der zweiteiligen Komposition 'Kristall der Erinnerung' von Pierre Henry. Die aus den ersten beiden Kapiteln des Romans herauskristallisierten Textpassagen, von Heinz Bennent und Hannah Schygulla gesprochen, treten in einen Dialog mit der musique concrète des Komponisten. Von der vorgefundenen Zeit über die verlorene zur wiedergefundenen Zeit wiederholen und varieren sich die Erinnerungsbilder, Erinnerungsschichten, die sich bei Marcel Proust überlagern, treffen auch im Hörraum zusammen. Konkrete Erinnerungen, die dem Blick in die Teetasse, dem Geräusch des Löffels, dem Geschmack des Gebäcks bei Proust entspringen, durchdringen sich in der Komposition von Pierre Henry mit konkreten Geräuschaufnahmen, die in der musique concrète durch elektro-akustische Verarbeitung in neue Geräuschklänge und Töne transformiert werden. Pierre Henry: "Memory Start wurde zehn Jahre nach der ersten Version von 'Kristall der Erinnerung' realisiert. Sie verkürzt die ursprüngliche Dauer dieses Werks über die Erinnerung und ihre Zeitgebundenheit um eine Stunde. Es ist der aktuelle Versuch einer Kontraktion, dem Universum einer Suche nach der verlorenen Zeit verwandt, der Spiegelspiele und der Wiederbelebung der Erinnerung. Es ist ein Experiment über die Mannigfaltigkeit der Zeit, über die verschiedenen Arten, die Zeit zu behandeln und die Rhythmen und Tempi des spannungsbedingten Zeitverstreichens. Es ist eine Annäherung an die Dialektik der Zeit und des Zeitlosen."

Pierre Henry (geboren 1927), einer der Pioniere der Akustischen Kunst, war der erste Komponist, der das Komponieren im traditionellen Sinne (das Schreiben von Partituren) aufgab, und sich konsequent der "Kunst im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit" verschrieb: In der musique concrète, die er zusammen mit Pierre Schaeffer begründete, und deren führender Vertreter er bis heute geblieben ist, werden Schallplatten, Tonband und Lautsprecher erstmals produktiv als Materialien der Komposition verwendet. Zusammen mit Pierre Schaeffer erstes Lautsprecherkonzert der Musikgeschichte. Realisationen experimenteller Musik mit Texten und Stimmlauten, Musik für Radio, Film, Ballett und Szene. Zusammenarbeit mit dem Choreografen Maurice Béjart. Henry hat seit den fünfziger Jahren in seinen Produktionen neue ästhetische Erfahrungsbereiche erschlossen und Grenzen überschritten zwischen "reiner" und "angewandter" Musik, zwischen Musik, Sprache und Radiokunst. Für das Studio Akustische Kunst realisierte er: 'Tagebuch meiner Töne', 'La Ville/Die Stadt. Metropolis Paris', 'Kristall der Erinnerung', 'Une maison de sons/Ein Haus der Klänge', den HörspielFilm 'La Ville/Die Stadt. Metropolis Paris - Berlin', 'Les petits métiers/Die kleinen Arbeiten', 'Antagonismen' und 'Memory Start'.

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Mitwirkende

Sprecher/Sprecherin
Hanna Schygulla


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Westdeutscher Rundfunk / Studio Son Ré, Paris 1998

Erstsendung: 19.12.1998 | 56'08


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