ARD-Hörspieldatenbank

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Ars acustica



Philip Jeck

Vinyl Coda IV


Komposition: Philip Jeck

Technische Realisierung: Stefan Briegel, Marko Kaminsky

Regieassistenz: Anja Scheifinger


Regie: Christiane Klenz


Realisation: Philip Jeck

Eine Live-Performance mit dem britischen Soundkünstler, der ein aus Plattenspielern bestehendes Orchester betreibt, bietet folgendes Szenario: Philip Jeck ist umgeben von seiner persönlichen Sammlung antiker Schallplattenspieler. Er geht zwischen ihnen hin und her, unaufgeregt, konzentriert. Die Platten aus verschiedenen Epochen werden angespielt, geschnitten, unterbrochen, überlagert, gecrackt, gescratched. Die Musik als akustisches Erlebnis wird zu einer Reise in die Vergangenheit, zum Wiederaufleben der Lebensgefühle der verschiedenen Generationen der 50er, 60er, 70er Jahre. Mit Hilfe von Delays und der Samplingtasten des Keyboards schichtet Jeck die Loops zu Clustern. Fragmente ballen sich zu Klangmassen, die sich gegeneinander verschieben und aus sich selbst heraus Rhythmen bilden. "Durch akustische Schleifen von Tonband oder Schallplatte beginnt die Technik, ihre eigene Rhythmik zu finden. Ich höre den Ton und ändere dann die Klangregulierung am Aufnahmegerät. (...) Ich werkle daran herum, bis es richtig klappt." Jeck verlangsamt oder beschleunigt die Umlaufgeschwindigkeit, er präpariert die Platten mit Skalpell und Kleber, sodass der Tonabnehmer aus der Rille springt und die Sentenzen sich endlos wiederholen, er benutzt Gleichlaufschwankungen der alten Plattenspieler als ein musikalisches Element. Am Mischpult fügt Jeck dann die verschiedenen Spuren zu einem Klangereignis zusammen. Aus den sich wiederholenden und variierenden Fragmenten komponiert Jeck seine Stücke: immer live und daher nie voraussehbar, denn so manches altersschwache Gerät gibt während der Aufführung den Geist auf. Die CD "Vinyl Coda" (intermedium rec) setzt sich aus drei Kofferplattenspieler-Konzerten des Liverpooler Künstlers zusammen, die als Live-Performances 1999 im BR-Studio in München und bei der "intermedium 1" in Berlin entstanden. Das erste Stück "Vinyl Coda" wurde von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste als "Hörspiel des Monats Februar 1999" ausgezeichnet, für "Vinyl Coda II" erhielt Jeck den Karl-Sczuka-Förderpreis.

Philip Jeck wurde am Dartington College of Arts, England, in den Bildenden Künsten ausgebildet. Seit den siebziger Jahren bedient er sich der Mittel der Bühnen-Performance. Seit Anfang der achtziger Jahre experimentiert Jeck mit den Möglichkeiten der DJ's, er arbeitet mit Turntables, Tonband und Electronics. 1993 entsteht in London "A Vinyl Requim", eine Klangperformance und Installation mit 180 Dansette-Kofferplattenspielern, manipulierten Platten und mehreren Filmprojektoren. Für diese Hommage an die ausklingende Vinyl-Ära gewinnt Jeck den "Performance Award" des Jahres 1993.

Christian Fennesz, ursprünglich Sänger, ist als Gitarrist und Songwriter Mitglied der Wiener Rockband "Maische". Er wandte sich der Elektronik zu, erfand auf "Fennesz plays" die Rolling Stones und Beach Boys neu. Als Solomusiker ist er bei Festivals mit Schwerpunkt elektronischer Musik und Improvisationen zugegen. Er arbeitet mit Peter Rehberg und Jim O'Rourke zusammen.

Peter Rehberg, aka Pita, begann als DJ in der Wiener Underground-Szene, mit ambient/experimental sounds für die Chillout-Kultur. Er betreibt das Wiener Mego-Label für elektronische Musik und einen Mail Order-Versand. Zurzeit interessiert er sich musikalisch eher für den Prozess als für ein Ergebnis, eher für die "sonic Possibilities of the CD glitch rather than the vinyl scratch or tape collage".

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Mitwirkende

Musik: Philip Jeck, Christian Fennesz, Peter Rehberg

 


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Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk 2000

Erstsendung: 13.04.2000 | 44'53


VERÖFFENTLICHUNGEN

  • CD-Edition: intermedium records 2000

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