Originalhörspiel
Autor/Autorin:
Reinhard Döhl
Die Mauer oder Morgen ist auch noch ein Tag
Komposition: Eberhard Weber
Bearbeitung (Musik): Eberhard Weber
Technische Realisierung: Eduard Kramer, Marlies Mathis
Musik: Eberhard Weber (Bass), Roland Wittig (Schlagzeug)
Chor: Gesangsensemble Silvia Gajetzki
Regie: Raoul Wolfgang Schnell
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Christoph Quest Mann 1 Giselheid Hönsch Frau 1 Alois Garg Mann 2 Ursula Langrock Frau 2
In dem Hörspiel "Die Mauer" verwendet Reinhard Döhl ein sehr altes
Mittel des Theaters: Die Teichoskopie (Mauerschau) und treibt es im
Hörspiel auf die Spitze. Zwei voneinander unabhängige Paare auf dieser
und jener Seite eines großen Platzes, beobachten ein drittes Paar
inmitten des großen Platzes. Die beiden Paare, jeweils ein Fragender
und ein Schauender, sagen, was sie sehen. Sie sehen, dass zwischen dem
jungen Mann und dem Mädchen eine Mauer errichtet wird, so dass das
eine Paar am Ende nur noch den Mann und das andere nur noch das
Mädchen sieht.
Damit wird die Dramaturgie der Mauerschau zum Inhalt, so dass die
Mauer nun nicht mehr eine Perspektive auf irgendwelche Ereignisse
eröffnet, sondern gerade umgekehrt: Jegliche Perspektive versperrt. Da
die Mauer aber von beiden Seiten gesehen wird, erfährt man dennoch,
was sich auf der anderen Seite tut - nämlich nichts; aber morgen ist
auch noch ein Tag.
Was Reinhard Döhl jenseits formal-ästhetischer Demonstration
intendiert, ist, zu zeigen: Wer da schaut, wie man schaut und was man
schaut. Mauerschau, das bedeutet mancherlei: Die Erwartung von
Geschehnissen, die Abwechslung in das inhaltlose Leben bringen;
Mauerschau bedeutet eventuell Nervenkitzel oder Delektion; sie
bedeutet auch Untätigkeit. Was sie noch bedeuten kann, Weitsicht und
Übersicht, das bedeutet sie in diesem Hörspiel ganz gewiss nicht. (Pressetext des WDR)

Produktions- und Sendedaten
- Saarländischer Rundfunk / Westdeutscher Rundfunk 1969
- Erstsendung: 15.10.1969 | SR 2 | 31'20