Hörspielbearbeitung
Autor/Autorin:
Alfredo Guiliani
Unser Vater Ubu
Textmontage zu Ehren Alfred Jarry
Vorlage: Ubu Roi (Theaterstück, italienisch)
Übersetzung: Alice Vollenweider
Komposition: Claude Terrasse, Jacques Offenbach
Regieassistenz: Ulfert Becker
Regie: Heinz von Cramer
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Franz Kutschera Ubu/Jarry/Professor Achras/Ein Diener/Das Gewissen/Ein Sergeant/Der Major Busnagoz/Mutter Ubu/Eleuteria/Der Onkel/Der Gerichtspräsident/Faustroll/Chor der Piesacker Charles Wirths 1. Stimme - Männerstimme jünger Marianne Lochert 2. Stimme - Frauenstimme jünger/Rachilde Jarry/Charlotte Jarry Hans Mahnke 3. Stimme - Männerstimme älter Erika von Thellmann 4. Stimme - Frauenstimme älter/Die alte Dame Harry Bong Student Lutz Schulze Student Arnfried Lerche Student Clausdieter Enskat Student
Vor hundert Jahren wurde Alfred Jarry geboren, ein Vorläufer von
Apollinaire und Andre Breton, Bahnbrecher der Symbolisten und
Dadaisten und Begründer des Surrealismus auf dem Theater. Mit zwölf
Jahren hatte er seine ersten Karikaturen entworfen, und während der
Vorträge seines Physikprofessors skizzierte er seine berühmteste
Gestalt "Pere Ubu", ein "blutrünstiger, mordlustiger, monstrehafter
Wanst" aus der Tradition des Grand Guignol, die Inkarnation des
wildgewordenen Spießbürgers. Das erste Ubu-Stück, "Ubu Roi", wurde
1888 auf einer Marionettenbühne aufgeführt, 1896 im Theater. Es
folgten "Ubu enchaine", "Ubu cocu" und "Ubu sur la butte". Jarry
entwickelte eine eigene Ästhetik, die Wissenschaft der Pataphysik, die
nicht nur seine Ubu-Stücke, sondern auch seine Gedichte, Operettesund
Operas-bouffes, seine Romane, Prosatexte und satirischen Glossen
geprägt hat und heute von den Mitgliedern des 1949 in Paris
gegründeten College de Pataphysique erforscht wird. Zu ihm zählen
Raymond Queneau, Jaques Prevert, Jean Dubuffet, Max Ernst, Marcel
Duchamp, Ludwig Harig u. a. Jarry definiert die Pataphysik im 8.
Kapitel der "Heldentaten und Ansichten des Doktor Faustroll": "Die
Pataphysik ... ist die Wissenschaft von dem, was zur Metaphysik
hinzukommt, sei es innerhalb derselben, sei es außerhalb derselben,
und die sich genau so weit über diese erhebt, wie jene über die Physik
... oder bescheidener, sie soll ein Universum beschreiben, das man
sehen kann und das man vielleicht statt des Überkommenen sehen sollte,
weil die Gesetze des überkommenen Universums, die man entdeckt zu
haben glaubt, Wechselbeziehungen zwischen Ausnahmen, wenn auch
ziemlich häufigen, darstellen, auf jeden Fall aber zwischen
akzidentiellen Fakten, die nicht einmal den Reiz der Einmaligkeit
besitzen, weil sie sich auf wenig außergewöhnliche Ausnahmen
beschränken. Definition: Die Pataphysikist die Wissenschaft imaginärer
Lösungen, die den Grundmustern die Eigenschaften der Objekte, wie sie
durch ihre Wirkung beschrieben werden, symbolisch zuordnet."
Alfredo Giuliani, 1924 in der Provinz Pesaro geboren, studierte in Rom
Philosophie und lehrt heute italienische Literatur an der Universität
Bologna. Er lebt in Rom und ist einer der Protagonisten der
avantgardistischen Literatur in Italien. von 1967-70 war er
Herausgeber der Zeitschrift "Quindici". Er hat Joyce und Bob Dylan ins
italienische übersetzt. 1965 erschien sein erstes eigenes WErk "Povera
Juliet e altre poesie" (Gedichte und lyrische Kurzdramen) sowie der
Essayband "Immagini e maniere", 1969 "Il tautofono" (Gedichte), 1972
"Il giovane Max"

Produktions- und Sendedaten
- Westdeutscher Rundfunk 1973
- Erstsendung: 29.11.1973 | WDR 3 | 88'03