ARD-Hörspieldatenbank


Originalhörspiel



Paul Barz

Laudatio



Regie: Heinz Dieter Köhler

Ein hoch dotierter Preis wird einem jungen Literaten zugesprochen - von eben jener Institution, die all das verkörpert, was der also Geehrte, engagierter Verachter einer sinnentleerten Konsumwelt, bekämpft. Was absurd erscheint, ist aus der Sicht der Preisverleiher konsequent: Indem sie den Gegner preisen, bringen sie ihn zur Strecke. "In glücklicherweise vergangenen Zeiten sandte man einander parfümierte Briefe, deren Duft prompt und tödlich wirkte. In unserer um so vieles humaneren Epoche werden solche Methoden ungern angewandt. Das Prinzip jedoch findet man gelegentlich auch jetzt noch: Gegner werden nicht erwürgt, sondern umarmt, nicht an die Wand gestellt, sondern - beispielsweise - vor die Filmkamera, denn Applaus kann tödlicher sein als eine gezielte Salve. Er macht das Opfer lächerlich. Eben von solch einem Mord durch Umarmung handelt ,Laudatio'. Den Gegner, den üblicheDruckmittel nicht mehr erreichen, erledigt man, indem man ihn ehrt. Er, der glaubt, infrage zu stellen, ist längst schon selbst infrage gestellt. Am Schluss dürfen seine Feinde zufrieden sein. Für ihren Preis kassieren sie einen angemessenen Gegenwert. Eines noch: Obwohl von einem sehr realen Fall provoziert, ist das Hörspiel doch in einer Hinsicht völlig unrealistisch. Der Tod durch Umarmung wird in der Regel nicht von so leicht durchschaubaren Wirtschaftsgangstern durchgeführt, wie ich sie zeichne. Außerdem billige ich - aus purer Sympathie - der Hauptgestalt mehr Widerstandskraft zu, als sie die Opfer gemeinhin aufbringen." (Paul Barz)

Paul Barz, Jahrgang 1943, ist Redakteur von "westermann-Monatsheften". Der WDR sendete bisher von ihm die Hörspiele "Requiem für Josephine", "Die Schwarze Villa" und "Der Einzug". (Historischer Pressetext)

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Mitwirkende

Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
Renate SchroeterInga
Gerd BöckmannHelle
Walter JokischDirektor
Stefan WiggerSekretär
Elsa WagnerBaronin
Albert BesslerPersonalchef


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Westdeutscher Rundfunk 1970

Erstsendung: 14.04.1970 | 44'35


Darstellung: