ARD-Hörspieldatenbank

Hörspielbearbeitung



Wieland Förster

Nachts die Verhöre (Langfassung)


Vorlage: Die Ungleichen (Theaterstück)

Bearbeitung (Wort): Thomas Fritz

Komposition: Jakob Ullmann

Dramaturgie: Thomas Fritz

Technische Realisierung: Holger König

Regieassistenz: Matthias Seymer


Regie: Götz Fritsch

Im September 1946 wird der 16-jährige Dresdener Wieland Förster verhaftet und im Dezember desselben Jahres auf der Grundlage eines Kontrollratsgesetzes zu zehn Jahren Zwangsarbeit wegen - angeblichen - schuldhaften Waffenbesitzes verurteilt. Im Januar 1950 wird er dank einer Amnestie aus dem sowjetischen "Sonderlager" Bautzen entlassen. - Jahrzehnte später, Wieland Förster ist inzwischen einer der auch international angesehensten Bildhauer der DDR, suchen ihn die Bilder immer noch heim, ist der Wundschmerz nicht verstummt. Was Alptraum und Gedächtnis bezeugen, verkörpert sich, als er es schreibend zu bannen versucht, in einer szenischen Phantasmagorie, aus der es kein Entrinnen gibt. In lapidarer Sprache und bedrängender Genauigkeit beschwört er die Zelle von damals, die Mitgefangenen, die unmenschlichen Lebensbedingungen, die Folter systematischen Schlafentzugs durch die jede Nacht stattfindenden Verhöre wieder herauf. In dieser Hölle des Ausgeliefertseins offenbaren die Noch-Lebenden zwischen den Schon-Gestorbenen - ein entflohener Kriegsgefangener, ein in der Ukraine eingesetzter Landwirtschaftsführer, ein Hochstapler, ein kleiner Betrüger, ein im Suff renitenter Rotarmist - dem plötzlich unter sie gestoßenen Jungen, was Entwürdigung und Notdurft des Leibes von ihnen übrig gelassen haben: die Erbärmlichkeiten der Ohnmacht. Egoismus, Verrat und Hass: auf die Russen, auf die draußen, auf die drinnen, auf sich selbst. Sie erzählen ihre Rechtfertigungsgeschichten und kämpfen um die Hackordnung, bis der Schwächste drauf geht dabei. Und der Junge den totschlägt, der die Schuld daran hat.

Wieland Förster, geboren 1930 in Dresden, lebt als Bildhauer, Grafiker und Schriftsteller in Berlin und Wensickendorf. Zwischen 1946 und 1950 war er im Sonderlager des NKWD in Bautzen inhaftiert. In den Jahren 1968 bis 1973 verhängten staatliche Stellen der DDR ein Ausstellungsverbot gegen ihn. 1976 und 1983 wurde er mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet, seit 1978 war er Vizepräsident der Akademie der Künste. Förster veröffentlichte Reisetagebücher (gesammelt in "Die Phantasie ist die Wirklichkeit", 2000), Essays ("Einblicke", 1985), erzählende Prosa ("Die versiegelte Tür", 1982 ), Gedichte ("Als Fremder", 2003), sowie das Theaterstück "Die Ungleichen" ("Grenzgänge", 1995). Der MDR produzierte über ihn das O-Ton-Hörspiel "Die Radikalität der Steine. Der Bildhauer Wieland Förster" von Michael Trabitzsch (MDR 1999) und seine Bearbeitung des Briefwechsels zwischen George Sand und Gustave Flaubert "Alle meine Zärtlichkeit" (MDR 2004).

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Mitwirkende

Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
Ernst JacobiDer Mann
Caspar BankertDer Junge
Hilmar EichhornMelone
Götz SchulteJesus
Bernhard SchützHubuch
Gerald SchaaleEmil
Jörg MalchowMechaniker
Oliver UrbanskiFlakhelfer
Mark ZakTartar
Jakob KöhnMaxim
Pjotr OlevOffizier
Anja PahlDolmetscherin
Swetlana SchönfeldDr. Jekaterina
Carl Heinz ChoynskiPolizist


 

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Mitteldeutscher Rundfunk 2007

Erstsendung: 11.12.2007 | 61'47


Darstellung: