ARD-Hörspieldatenbank

Originalhörspiel



Karl Günther Hufnagel

Konfektionen


Technische Realisierung: Rolf Mittag, Liesl Staats

Regieassistenz: Dieter Wedel


Regie: Robert Bichler

Dieses Hörspiel bringt keine Dialoge, keine Gespräche, sondern das Selbstgespräch eines Einzelnen, des Mannes auf dem Pferd. Eine Mischung von Realität (sein Geschäft), von Selbstanalyse (seine Kindheit) und Erklärungen über sein Tun (Fabrikation von Träumen und Wünschen). Der bekannte Hörspielautor Karl Günther Hufnagel beschäftigt sich hier mit dem Thema der Vermassung. Alles, was wir sprechen, wünschen, träumen, lieben, ist von der Stange. Der Mann auf dem Pferd hat Einfluss auf seine Mitmenschen, er ist schöpferisch, schafft Träume für die anderen, aber diese Träume sind Konfektionsware. Die beiden Sprecher, die gelegentlich hinzutreten, sind nicht Gegenspieler, sondern Figuren, die für zwei unschöpferische Menschentypen stehen: den Ursprünglichen und den Sterilen, Abstrakten. Auf realer Ebene ist der auf dem Pferd Direktor eines großen Versandhauses. Er ist selbstkritisch, weiß, wie er auftreten soll, und glaubt bisweilen selbst an sein Tun. Er war schon als kleiner Junge erfolgreich, denn er verstand es schon damals, der Mitwelt die Bilder zu verkaufen, die sie haben wollte. Hufnagel will nicht dieBiographie eines erfolgreichen Geschäftsmannes zeichnen, er will aufzeigen, wie die Ideale unserer Zeit vorfabriziert, konfektioniert sind. Nicht nur die Gebrauchsgüter, auch die Träume und Gedanken sind Konfektion. Der auf dem Pferd ist gleich Don Quichote: eine lächerliche, wachelige Figur, aber gleich ihm kann er Bilder, Träume, Vorstellungen heraufbeschören. Don Quichotes Phantasieprodukte haben nur für ihn selbst Gültigkeit, während unser Mann vom Schaukelpferd zwar dünnere, fadenscheinigere, blutleere Wunschvorstellungen hervorruft, das aber bei all seinen Mitmenschen.

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Mitwirkende

Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
Gert WestphalDer auf dem Pferd
Heinrich Kaufeld1. Sprecher
Hans Paetsch2. Sprecher


 

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Radio Bremen 1966

Erstsendung: 13.05.1966 | 38'50


Darstellung: