ARD-Hörspieldatenbank


Originalhörspiel



Alexander Runge

Abendunterhaltung im Garten

Eine sommerliche Hörfolge



Regie: Alexander Runge

In letzter Stunde, gerade jetzt, wo der freundliche Herr Staehr schon am Umbruch arbeitet, zu dem er diese Zeilen und ein Klischee als letzte Füllsel braucht - also in dieser allerletzen Stunde kommt das Fräulein aus der Readktion mit sozusagen fliegendem Atem zu mir auf die Probe gerannt und flüstert mir ins Ohr, dass ich etwas schreiben sollte, Donnerwetter, wo ist der Text? Der Herr Redakteur sei gar nicht mehr fröhlich sondern bitterböse! Der Platz ist reserviert, also bitte! Diese Vormittagsunterhaltung im Kammermusiksaal geht der "Abendunterhaltung im Garten" eines schönen, mit funktechnischem Raffinement eingerichteten Luftschlosses voraus. Der Autor windet sich unter der Qual des Muss, er kaut an der Schreibmaschine, aus deren Tasten er sich einige verbindliche, aufklärende, aber nicht zu deutliche Worte über den Inhalt saugt, den er um Gottes Willen nicht verraten darf. Denn jener Herr Fröhlich hat zu ihm gesagt, er soll nur schreiben, wenn er meint, dass es der Hörfolge nutzt und dem Hörer nicht schadet, kurz, wenn es notwendig ist. Was aber zum Teufel ist nun notwendig? Soll ich über meine eigene Arbeit schreiben, dass sie sich wünscht, Sie zu unterhalten, so recht sommerlich leicht und luftig und lustig? Soll ich mir oder Ihnen, meine Damen und Herren, wünschen, dass die Beratungsstelle für Wellenwanderung die Ebbe in Ihren Hörern bereits in die Flut unserer Darbietungen zurückverwandelt hat? Oder soll ich die Idee des Abends verraten? Nein, das will ich gewiss nicht, wenn ich alles zusammen auch gewisslich möchte. Da will ich dann lieber nur ganz obenhin erzählen, dass sich wahrscheinlich der Besitzer des Gartens an dem herrlichen Abend der Ruhe freut, die ihn umgibt; dass er sein Radio einmal abstellt; dass er seinen Diener (denn natürlich hat so ein Herr einen Diener) fortschickt, um ganz allein die Stille zu genießen. Und dass natürlich alles so kommt, wie es kommen muss: nämlich anders. So will es der Lauf der Welt - und die Freunde. Mehr darf ich aber wirklich nicht sagen, es ist beinahe schon zu viel. Und nach dem schönen Chanson, das wir schon so oft im Funk gesungen haben: "Du sollst nur bis an die Grenze gehen...", gehe ich also bis hierher und nicht weiter, nicht einen Schritt. Doch: noch einen kleinen! Ich lade Sie alle ein, meine Damen und Herren: verstecken Sie sich im Garten hinter den Kopfhörerhecken und Lautsprecherbüschen, bleiben Sie unsichtbar, und lauschen Sie einmal auf das, was da vor sich gehen wird. Sie werden allerlei zu hören bekommen... (Alexander Runge: Die Schlesische Funkstunde. 3. Jahrgang. Heft 27. 5. Juli 1929. S. 11)

A
A

Mitwirkende

Sonstige Mitwirkende
Cläre Rapmund
Marianne Rub
Alice Weitzen
Helmuth Hallendorf
Hans Schalla
Hans Viktor


 


Hörspiel historisch (vor 1933) - © DRA/Hanni Forrer


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Schlesische Funkstunde AG (Breslau) 1929

Erstsendung: 10.07.1929 | 20:15 Uhr | ca. 105'00


Livesendung ohne Aufzeichnung


Grundlage der Datenerhebung: Nachlass Karl Block (Hörspiele); Der Deutsche Rundfunk (Programmzeitschrift)


Darstellung: