Hörspielbearbeitung, Ars acustica
Autor/Autorin:
Judith Schalansky
Atlas der abgelegenen Inseln
Vorlage: Atlas der abgelegenen Inseln (Prosa)
Bearbeitung (Wort): Thom Luz
Dramaturgie: Reto Ott
Musik: Iris Maron, Maria Pache, Mikael Rudolfsson, Karoline Steidl
Regie: Thom Luz
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Beatrice Frey Günther K. Harder Sophie Krauss Oscar Olivo
Der Zürcher Thom Luz gehört derzeit zu den am meisten beachteten
Regisseuren auf deutschsprachigen Theaterbühnen. Sein szenisch-musikalischer Abend "Atlas der abgelegenen Inseln" am Schauspiel
Hannover wurde zum letzten Theatertreffen eingeladen. Jetzt hat Thom
Luz eine Radioversion erarbeitet.
Vor ein paar Jahren hat sich die Schriftstellerin und Buchgestalterin
Judith Schalansky aufgemacht, die Welt zu entdecken. In früheren
Zeiten hätte sie dafür ein Schiff besteigen müssen, beseelt vom
Wunsch, unversehens irgendwo auf terra incognita zu stoßen. Heute
jedoch gibt es rund um den Globus kein Fleckchen Erde mehr, dass
unentdeckt geblieben wäre. Jede Küste, jedes Eiland ist betreten,
vermessen und in Besitz genommen worden. Aber Judith Schalansky ist
aufgewachsen als "Atlas-Kind", ihre Liebe gilt den kartografischen
Werken, die uns in Form einer ebenso abstrakten wie ästhetischen
Darstellung die fernen Welten nahe zu bringen versuchen. In ihnen, den
erdkundlichen Folianten und Atlanten, hat Judith Schalansky ihre
Forschungsreisen unternommen. Und ist dabei bis an die Ränder des
Erdkreises vorgestossen, zu fünfzig abgelegenen Inseln: "Inseln, auf
denen ich nie war und niemals sein werde". Inseln, die sich - weit
entfernt von jeder Bounty-Romantik - aus der rauen See erheben,
abweisend und karg die allermeisten. Und es haben sich auf ihnen
schreckliche Begebenheiten zugetragen. Denn die Faszination der
Entdecker verkehrte sich nur allzu oft in Entsetzen. "Das Paradies mag
eine Insel sein", schreibt Judith Schalansky. "Die Hölle ist es auch."
Thom Luz hat diese Ambivalenz aufgenommen und sie in eine
faszinierende musik-theatralische Installation übersetzt. Spielort war
ein Jugendstil-Treppenhaus, die sogenannte "Cumberlandsche Galerie" im
Schauspielhaus Hannover. Hier saßen die Zuschauer auf drei Stockwerke
verteilt, wie im Innern eines Luxusliners von vor hundert Jahren. Und
sie wurden mitgenommen auf eine Reise, die vor allem auch eine Klang- und
Hörreise war. Eine vielschichtige Komposition aus Stimmen,
Geräuschen und musikalischen Fragmenten - wie nicht von dieser Welt.
Nun hat Thom Luz (der seit neuestem auch als Hausregisseur am Theater
Basel tätig ist) seine Inszenierung als reines Hörstück eingerichtet -
für all diejenigen, denen das Reisen im Kopf noch immer am nächsten
liegt.
Weitere Informationen
Judith Schalansky, geboren 1980 in Greifswald, studierte Kunstgeschichte und Kommunikationsdesign, lebt als freie Schriftstellerin und Buchgestalterin in Berlin. Für „Atlas der abgelegenen Inseln“ und „Der Hals der Giraffe“ erhielt sie jeweils den 1. Preis der Stiftung Buchkunst. Seit 2013 gibt sie die Buchreihe „Naturkunden“ heraus. Ebenfalls als Hörspiel: „Der Hals der Giraffe“ (SWR 12).

Produktions- und Sendedaten
- Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) / Westdeutscher Rundfunk 2014
- Erstsendung: 13.01.2015 | WDR 3 | 52'59
Veröffentlichungen
- Hörspiel-Download: WDR 2016 / CD-Edition: Christoph Merian Verlag 2016
Auszeichnungen
- hr2-Hörbuchbestenliste Januar 2017 (1. Platz)
Rezensionen (Auswahl)
- Jochen Meißner: Eilande im Hallraum. In: Medienkorrespondenz, Nr. 2 vom 22.1.2016, S. 42.
- Eva-Maria Lenz: Paradies und Hölle. In: epd medien, Nr. 4 vom 22.1.2016, S. 29.
- Alexander Kosenina: Fußnoten am Festland. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 43 vom 20.2.2017, S. 10 (CD-Edition).