Originalhörspiel
Autor/Autorin:
Marlene Streeruwitz
Zimmerstunde
Komposition: Martina Eisenreich
Dramaturgie: Manfred Hess
Technische Realisierung: Martin Vögele, Tanja Hiesch
Regieassistenz: Constanze Renner, Constanze Wirtz, Paula Franke
Regie: Bernadette Sonnenbichler
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Heidi Ecks Kathrin Hildebrand Caroline Junghanns Hedi Kriegeskotte Christiane Roßbach
»Am Ende ergeben die vielen Stimmen des Stückes eine
einzige Person. Den vielen Stimmen entsprechen ebensoviele akustische Räume, in denen die Texte platziert werden müssen. Denn heute regieren die Räume, was
und wie gesprochen werden kann. Arbeit, Leben, Liebe
und Trauer sind streng getrennt auf einzelne Räume aufgeteilt. In sich getrennt muss die neoliberale Person der Dienstleistungsgesellschaft in diesen Räumen entsprechend funktionieren. Diese spezifische Personenkonstruktion bestimmt in meinem Hörspiel ›Zimmerstunde.‹
die Herstellungstechnik. Der Sprechakt der Frau wird in
den künstlich hergestellten Räumen eingefangen und
dort zurechtgeschneidert. Hier bestimmt der technisch
generierte Raum das Sprechen, wie das in der Realität
durch die erzwungene Verwirtschaftlichung des eigenen Schicksals erledigt werden muss. Mein Hörspiel überträgt den gesellschaftlichen Vorgang der Festsetzung der Person in sich selbst auf die Technik. So arbeiten sich ›die Stimmen‹ der Person in jedem einzelnen
Raum zur Erkenntnis voran, dass es im ganzen Leben nur
darum ging, sich selbst zu verkaufen. Auch in der Liebe
muss die Person sich eingestehen, dass das nicht anders
war. Die Liebeleien der Zimmerstunden stehen für diesen Vorgang des alles erfassenden Selbstverkaufs, der belohnungslos nur mehr das Überleben sichern kann.
Am Ende sind die einzelnen Raumtextkonstruktionen
zu einem Hörpanorama aufgebreitet, in dem die Person
aber dann doch einen Augenblick lang zu einem ungeteilten Selbst in einem dafür hergestellten Raum finden kann. Die radiophone Technik wird so zur subversiven
Helferin einer Subjektwerdung. Die neoliberale Domestizierung der Person wird für einen Augenblick mit Hilfe der Technik überwunden." (Marlene Streeruwitz)
Weitere Informationen
Marlene Streeruwitz, geboren In Baden bei Wien, zählt mit ihren ausdrücklich als feministisch ausgewiesenen Dramen und Erzählwerken zu
den wichtigsten österreichischen Autoren. Für ihre Romane erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt den Bremer Literaturpreis (2012) und den Franz-Nabl-
Preis (2015). Hin und wieder schreibt sie Original-Hörspiele

Produktions- und Sendedaten
- Südwestrundfunk 2018
- Erstsendung: 20.12.2018 | SWR2 | 56'00
Rezensionen (Auswahl)
- Rafik Will: Radiokunst. In: Medienkorrespondenz, Nr. 3. 01.02.2019. S. 44.
- Stefan Fischer: Selbstbehauptungen. In: Süddeutsche Zeitung, 19.12.2018. Rubrik: Im Radio.