Originalhörspiel, Kriminalhörspiel

Autor/Autorin: Viviane Koppelmann, Leonhard Koppelmann

Akte 01: Der Fall »Räuberbräutigam« (1. Teil: Das verschwundene Manuskript)

Redaktion: Hans Sarkowicz, Heike Oehlschlägel
Dramaturgie: Hans Sarkowicz, Heike Oehlschlägel
Technische Realisierung: Roland Grosch, Ursula Potyra, Thomas Rombach, André Bouchareb, Melanie Inden, Julia Kümmel
Regieassistenz: Herta Steinmetz

Regie: Viviane Koppelmann

  • Weitere Mitwirkende

    Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
    Mechthild GroßmannMärchenerzählerin
    Wanja MuesJakob Grimm/Chronist
    Jona MuesWilhelm Grimm
    Michael RotschopfEugène François Vidocq/Russe
    Laura MaireJenny von Droste zu Hülshoff
    Robert DöllePierre Alexandre le Camus alias Graf von Fürstenstein
    Anna KubinDiana Rabe von Pappenheim
    Torben KesslerMister Bergström alias Maurus Alexander Horn
    Christian KlischatOberst Bogislav von Pfuhl alias Philipp Witt
    Christoph PütthoffFerdinand Grimm/Thijs Verbeek
    Woody MuesLudwig Emil Grimm/Spanier
    Nelly PolittIsabelle Waldner von Freundstein
    Ulrich HöhmannRäuber
    Wolf AniolDiener
    Jason LangBote
    Daniel FriedlKönig Jérôme Bonaparte
    Roland SilbernaglÖsterreicher
    Hedi KriegeskotteAlte Magd
    Helge HeynoldGast/Rebell 2
    Nicolas MatthewsRebell 1
    Bastian KorffRebell 3
    Christian RedlJustizminister Joseph Jérôme Siméon (im Hintergrund)

In ihrem ersten Fall werden die Brüder gleich in eine politisch hochbrisante Affäre verwickelt. Dem Außenminister ist bei einem amourösen Abenteuer ein wichtiges Dokument abhanden gekommen. Gleichzeitig treibt eine Gruppe deutsch-nationaler Umstürzler, genannt „Die schwarze Schar“, ihr Unwesen im Königreich. Sollte ihnen das Dokument in die Hände fallen, drohte ein Bürgerkrieg. Ist am Ende gar der eigene Bruder, Ferdinand, in diesen Fall verwickelt?

Die Brüder Grimm leben und arbeiten in einer bewegten Zeit in Kassel. Seit dem Frieden von Tilsit (1807) kontrolliert Napoleon Bonaparte viele Herzog- und Fürstentümer im deutschen Westen. In Kassel setzt er seinen Bruder Jérôme Bonaparte als König von Westphalen ein, einem Modellstaat mit großem Modernisierungspotential. Die Abschaffung von Adelsprivilegien und Leibeigenschaft, die Einführung der Religionsfreiheit und anderer Bürgerrechte durch den Code Civil werden von der Bevölkerung durchaus begrüßt. Die Fremdherrschaft durch die französischen »Besatzer« und das damit einhergehenden Ausplündern finanzieller und personeller Ressourcen führen aber auch zu vehementer Ablehnung. Manche wünschen sich die alte Ordnung zurück, andere träumen von noch mehr Liberalisierung in einem souveränen Deutschland. In dieser politischen Gemengelage tritt Jakob Grimm seine Stelle als Privatbibliothekar von König Jérôme Bonaparte an, um nach dem frühen Tod seines Vaters für den Unterhalt der vielköpfigen Familie zu sorgen. Zunächst nutzt er die Möglichkeit der neuen Anstellung, das mit seinem Bruder Wilhelm begonnene Projekt einer Deutschen Märchensammlung weiterzuführen – bis Jakob zum Beisitzer des Staatsrats berufen wird. Jetzt kann er sich nicht länger den politischen und gesellschaftlichen Händeln entziehen… Hier setzt die Fantasie unseres Autorengespanns an, fällt die Entwicklung der modernen Kriminalistik doch genau in diese Zeit. 1811 wird in Paris die Brigade de la Sûreté, eine Ermittlungsbehörde mit Zivilagenten gegründet, woran der ehemaligen Dieb und Betrüger Eugène François Vidocq beteiligt ist. Das hat auch Auswirkungen auf das französisch besetzte Kassel. Was wäre, wenn die Grimms mit ihrer besonderen Beobachtungsgabe und Eugène François Vidocq mit seinem Insider-Wissen in Kassel zusammengetroffen wären und hier erste Ansätze klassischer Detektivarbeit entwickelt hätten? Über die Aufgaben Jakobs im Staatsrat jedenfalls schweigen die historischen Quellen beharrlich. Und lesen sich viele Märchen nicht wie verkappte Kriminalfälle? Mord, Entführung, Missbrauch und Freiheitsberaubung spielen häufig eine zentrale Rolle in den vermeintlichen »Kinder- und Hausmärchen«. Unterstützung bekommen die drei von der resoluten Jenny von Droste zu Hülshoff – der älteren Schwester der Dichterin Annette. Dabei erblüht bald auch eine zarte platonische Liebe zwischen der jungen Frau und den beiden Brüdern.

Mechthild Grossmann spricht die Rolle der Märchenerzählerin.
© HR / Ben Knabe
Mechthild Grossmann spricht die Rolle der Märchenerzählerin. © HR / Ben Knabe

Produktions- und Sendedaten

  • Hessischer Rundfunk 2018
  • Erstsendung: 03.12.2018 | hr2-kultur | 24'16

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