ARD-Hörspieldatenbank


Originalhörspiel



Harald Brandt

Worte des Meeres in den Wind geschrieben



Regie: Burkhard Schmid

In den Druckkammern der COMEX, einer auf Unterwasserarbeiten spezialisierten Firma in Marseille, werden Tauchtiefen bis zu 700 Metern simuliert. 700 Meter Tiefe bedeuten 70 mal den atmosphärischen Druck, also 70 kg Gewicht, die auf jedem Quadratzentimeter des Körpers lasten. Um nicht zerquetscht zu werden, muß der Druck im Körperinneren des Tauchers dem Außendruck entsprechen. Alle Hohlräume des Körpers werden stufenweise mit einem komprimierten Helium-Sauerstoff-Wasserstoffgemisch ausgefüllt. Im November 1992 überschritt der französische Taucher Théo Mavrostomos die 700 Meter Tiefenmarke. Ein neuer Weltrekord. Interessant sind diese Tauchsimulationen für Wissenschaftler und für die Off-Shore Ölindustrie, die speziell ausgebildete Taucher für Arbeiten in großer Tiefe (300 bis 400 Meter) einsetzt. Interessant ist aber auch die Frage, was im Kopf eines Menschen passiert, der weiß, daß er 23 Tage Dekompressionszeit hat, bis er wieder an die "Oberfläche" kommt - obwohl er nur durch die Stahlwand der Druckkammer von den Technikern getrennt ist, die die Tauchsimulation überwachen. "Ein Taucher in der Druckkammer ist weiter von uns entfernt als ein Astronaut auf dem Mond." Dieser Satz von Claude Gortan, dem wissenschaftlichen Direktor der COMEX, ist der Leitfaden des Hörspiels: Mit akustischen und poetischen Mitteln wird der innere Monolog eines Tauchers verdichtet. Sein Atmen wird zur Willensanstrengung, die seine ganze Kraft erfordert. Mehrmals glaubt er aufgeben zu müssen, aber als er seine Angst vor dem Ersticken überwindet, öffnen sich innere Räume, die weiter entfernt sind als der Mond und die jeder Mensch doch in sich trägt: das Atmen von purem Licht.

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Mitwirkende

Sprecher/Sprecherin
Alois Garg
Hans Kemner
Moritz Stoepel


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Hessischer Rundfunk / Deutschlandradio 1994

Erstsendung: 26.03.1994 | 54'01


AUSZEICHNUNGEN

  • Hörspiel des Monats Juni 1994

Darstellung: